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Times mager Queere Tiere

Wie Andrea Nahles würde auch das Times mager nie lügen. Das sagen wir Ihnen. Ganz ehrlich.

Trauerschwäne
Bei den Trauerschwänen brüten auch homosexuelle Paare gemeinsam ein Gelege aus (das sie vorher einem anderen Paar geklaut haben). Foto: imago

Ganz ehrlich: Das Times mager würde nie und nimmer lügen. Genau wie Andrea Nahles.

Es gibt allerdings ein Problem: Wenn das Times mager sagt, „Das Times mager würde nie lügen“, dann glauben Sie das (vielleicht). Wenn aber das Times mager sagt „Ganz ehrlich: Das Times mager würde nie lügen“, dann denken Sie: Wenn die schon betonen müssen, dass sie „ganz ehrlich“ nie lügen, dann lügen sie ehrlicherweise in Wirklichkeit doch.

Andrea Nahles wurde jetzt im Fernsehen gefragt, ob es möglicherweise zu Neuwahlen kommen könne. Sie hat nicht gesagt „Das warten wir jetzt mal ab“, sondern: „Ich sage Ihnen ganz ehrlich, das warten wir jetzt mal ab.“ Das Times mager glaubt ihr trotzdem. Ja, sie wird abwarten, das steht fest, schon deshalb, weil sie gar nicht anders kann.

Wenn Sie das Interview gesehen haben, haben Sie bemerkt, dass die Sozialdemokratin gar nichts Böses im Schilde führte. Sie wusste nur nicht gleich, was sie sagen sollte, also füllte sie die Pause: „Ich sage Ihnen ganz ehrlich...“. Eine Art langgezogenes Äääääh. Genau wie vor Jahren, als es um Ministerposten ging: „Ganz ehrlich: Das weiß ich nicht.“

Immerhin hat Andrea Nahles nicht gesagt: „Ganz ehrlich: Ich denke nicht.“ Das war, wie „jetzt.de“ einst berichtete, „Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub“. Er war nach der „Preissensibilität“ der Deutschen gefragt worden, und Sie müssen seinen Satz unbedingt auf dem „nicht“ betonen, sonst entstehen Missverständnisse.

Die Beispiele sind allerdings vollkommen irrelevant, denn eigentlich dient „Ganz ehrlich“ als Hinweis darauf, dass da jemand gleich ganz schonungslos etwas Knallhartes aussprechen wird. Die Rapperin Sookee hat das in ihrem Song „Queere Tiere“ sehr schön herausgearbeitet: „Ich sage Ihn’n ganz ehrlich, ich tu mich damit schwer. So was gäb es nicht, wenn ich Bundeskanzlerin wär. Wenn plötzlich alle schwul sind, dann stirbt die Menschheit aus.“

Das war ironisch gemeint, denn Sookee mag alle Tiere, queer oder nicht. Sie verweist unter anderem auf den Trauerschwan, bei dem es vorkommt, dass homosexuelle Paare gemeinsam ein Gelege ausbrüten (das sie vorher einem anderen Paar geklaut haben, aber das spricht nicht prinzipiell gegen das schwule oder lesbische Brüten).

Dem Inhalt der Eier ist sogar zu wünschen, dass er von lesbischen Trauerschwäninnen ausgebrütet wird. Die schlagen sowohl Schwule als auch Hetero-Trauerschwanen-Paare um Längen, denn bei beiden sind ja Männchen im Spiel. Siehe Wikipedia: „Männchen sind eher schlechte Brüter, da sie gerne das regelmäßige Drehen und Wenden der Eier vergessen oder sich auch aus Versehen neben die Eier legen.“ Aber ganz ehrlich: Das hat nichts mit Politik zu tun.

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