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Times mager Putins Milde

Kein Wort der Kritik an der WM in Russland, der DFB tat alles, dass Putin sein Spiel durchbringen wird, auch nach der WM.

Putin
Bekommt seine WM in Russland: Wladimir Putin.Bekommt die Welt jetzt ein milderes Russland? Foto: rtr

„Kein Sekt mit Putin“ fokussierte die vom Deutschen Bundestag herausgegebene Zeitung „Das Parlament“ auf die WM kurz vor deren Anpfiff. Ob die Schlagzeile noch aktuell ist? An 158 politische Gefangene wurde erinnert sowie an das Ranking von „Reporter ohne Grenzen“, das Russland auf Platz 148 von 180 Staaten bei der Pressefreiheit einstuft. Was bedeutet dieser Tabellenplatz für Medienmenschen in der Mediendemokratie hierzulande? Zuschauen bei den Spielen rund um Putin? Auch der Ball ist rund. Oder doch eher abschalten?

Ein weiteres Thema, die Einschränkung der Bürgerrechte. In den letzten Jahren 30 Gesetze, von Putin durchgesetzt. Miserabel die Menschenrechtebilanz. Auch für dieses Resultat ist Putin verantwortlich, und er wird es, nach der WM, nicht bei einem Zwischenstand belassen. Er will auf ein anderes Resultat hinaus, fokussiert wie er auf die Ausschaltung kritischer Stimmen ist.

Die zuschauende, auf den Fußball fokussierte Welt hat auf ihre Weise Putin den Sieg leicht gemacht, keinen Arbeitssieg, aber einen schmutzigen Sieg. Arbeitssklaven auf Russlands WM-Baustellen? Der deutsche Fußballnationalspieler Berti Vogts sagte 1978, er habe in Argentinien keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen. Was für ein Aufschrei, damals, jedenfalls unter Linken. Sicher, Putins Russland ist mit Videlas Argentinien nicht zu vergleichen, das russische Straflager nicht mit einem argentinischen Konzentrationslager – so kann man es sich vor jedem Spiel, während der Halbzeit und nach dem Spiel sagen. Lagerhaft für bekannte Regimekritiker sind etwas anderes als die Stromstöße in Mund oder Vagina eines anonymen Opfers in einem Folterkeller Argentiniens. Fabelhaft, dass der Mensch ein differenzierendes Wesen ist. 

Der DFB war von vorneherein aufs Mitspielen fokussiert. Kein Wort der Kritik, der DFB tat alles, dass Putin sein Spiel durchbringen wird, auch nach der WM, erst recht nach der WM. Menschenrechtler, so „Das Parlament“, hoffen, „dass Putin im Zuge der Fußball-WM Milde walten lässt“. Im Zuge der WM! So hofft also alle Welt wenigstens auf eine Nachspielzeit. Und eine Fristverlängerung, eine Verlängerung. 120 Minuten Milde. 

Der Fußball, als Fan weiß man das, ist eine sicherlich auch ins Irrationale verlängerte Welt. Zur Welt des Fußballs gehören Aberglaube und Rituale, darunter ausgesprochen archaische Rituale, denn geglaubt wird an das symbolische Menschenopfer – man denke nur an die Rituale bei der Entlassung von Trainern. Löw oder nicht Löw? Und welches Schicksal soll Özil ereilen? Es bleibt in diesen Tagen nicht verborgen, dass man als Fußballanhänger immer wieder auf Menschenopfer fokussiert ist, Milde hin, Menschenrechte her. 

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