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Times mager Post von Abigail

Hunderte, ach was, tausende Frauen schreiben uns jeden Tag und jede Nacht an. Und sie haben fantastische Namen.

Papierkorb
Vom Spam-Ordner in den virtuellen Papierkorb. Foto: FR

Noch nie kam in dieser Sache Post von Berta Basstölpel oder Trixi Trottellumme. Dafür von Agatha Adderiy, Autumn Audley, von Artemis, Abigail und Annabella. Vielleicht kümmert sich auch darum schon eine künstliche Intelligenz, puzzelt Namen und Mailanschriften aus nichts als Nullen und Einsen, 203 Namen allein zwischen 22 und 6:30 Uhr, 415 Namen übers Wochenende: Azalea Albertson, Daniella und Polyanna, Kalea Kayleigh, Mimosa Mottenkugel. Mimosa? Lieber nicht. Delete.

Womöglich schaut die künstliche Intelligenz, in ihre Namenserfindungs-Arbeit ganz vertieft, aus dem Fenster, während ihr Akku zwar nicht heiß-, aber doch ziemlich warm läuft, schaut aus dem Fenster, legt die Kunststoff-Stirn in Falten, stützt den sirrenden Kopf in die Hand, kaut auf einem Kabel herum, denkt über noch mehr und noch mehr Namen nach ... Nein, es muss schon ein genialer Menschenkopf hinter all diesen Namen und Mail-Adressen stecken, die Tag um Tag und Nacht um Nacht im Spam-Filter landen, direkt im virtuellen Abfallkorb. Delete. Obwohl die allerherrlichsten Namen darunter sind, zu denen man sich die allerherrlichsten, romanhaftesten Lebensläufe ausdenken könnte. Eine Verschwendung.

Kimbriella Jeff zum Beispiel. Kimbriella arbeitet, wenn sie gerade kein Viagra oder keine heißen, äh, Dings an den Mann bringen muss, garantiert in einem Blumenladen. Sperrt morgens auf, gießt, sagt allen Pflanzen ein liebes Wort, singt ihnen vor von Azalea, Kalea, von Aurora, die das Licht spendet, und Mimosa, die eben von vorsichtiger, ein wenig empfindlicher Natur ist. Dann beginnt Kimbriella Sträuße zu binden, nimmt Georgette und Tallulah mit rein, Miranda, die Zauberhafte, und Deedee, die Kesse, dazu Cadence und Generika. Ach nein, Generika doch nicht, die riecht so billig wie ein Parfum für 9,99 Euro.

Obwohl Kimbriella ihren Vornamen mag, seine zarten i-Krönchen und Meerjungfrau-Assoziationen, findet sie doch das „Jeff“ ein wenig schroff. Lieber würde sie heißen wie eine Kollegin, die aufgrund ihres fabelhaften Namens sicher auch mehr verkauft, sogar mehr möglicherweise dubiose Generika: Lyric Wifkinson. Lyric klingt so ... lyrisch und Wifkinson irgendwie rar wie eine seltene Orchidee. Gewiss trägt Lyric das Loreley-blonde Haar hochgesteckt und eine Bluse mit Schleife. Und um den Bleistiftrock und die cremefarbenen Pumps beneiden sie sogar Imogen, Isadora und Christabel.

Seufzend schreiben sie und senden in die Nacht: Du hast mir nicht geantwortet, vermisst Du mich nicht? Möchtest Du gar nicht meine heißen „Dings“ sehen? Dann tippen sie noch, mittlerweile ganz traurig: Was ist los mit Dir?

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