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Times mager Podusche, nicht Postkutsche

Die Podusche ist da. Gibt es da Ansätze, redaktionell einzusteigen? Geht so.

Duschkopf
Eine Dusche für den Po? Warum eigentlich nicht? Foto: Imago

Das Gespräch begann gerade eine interessante Wendung zu nehmen, denn Kollege S. hatte im Kühlschrank ein Päckchen „Kulturheidelbeeren“ entdeckt und angemerkt, dass der oder die Eigentümer(in) höchstwahrscheinlich im Feuilleton beschäftigt sei. In diesem Moment jedoch rief Kollege M. aus dem nahen Druckerraum: „Ah, die Podusche!“

Das Feuilleton machte noch den Versuch, den Unterschied zwischen „Kulturheidelbeeren“ und „Feuilletonheidelbeeren“ herauszuarbeiten – die Ressortkennung „Feuilleton“ stehe eben nicht für jede beliebige Berichterstattung für irgendetwas mit Kultur, sondern für bestimmte Darstellungsweisen und Perspektiven –, aber die Podusche hatte ihm längst den Rang abgelaufen, was auch das Times mager, frei von Furcht vor delikaten Themen, nicht außer Acht lassen konnte.

Jetzt werden Sie denken, Kollege M. hätte aus irgendeinem Grund eigentlich „Postkutsche“ sagen wollen. Aber Sie täuschen sich, er hat „Podusche“ gesagt. Die hatte er schon in einer Bildungssendung des Kultursenders „Vox“ gesehen („Die Höhle der Löwen“), in der potenzielle Unternehmensgründer vorgeführt werden.

Die ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl, die in der „Höhle der Löwen“ als „Investorin“ fungiert, war schon deshalb von der Idee der Postkutsche (nein: Podusche) angetan, weil sie sich ja, so „Vox“, „leidenschaftlich für Kultur und Soziales“ engagiert. Und nun also war „happypo“ endlich da.

Nicht ohne ein Anschreiben, das Kollege M. sofort verlas: „Das überwältigende Feedback und der hohe an uns kommunizierte Nutzen von Happy Po für die Gesundheit (Intimleiden, Hygiene, Schwangerschaft) und Umwelt (Papierersparnis, Hilfe der Wasserwerke durch Feuchttuchverstopfungen) könnte für Ihre Redaktion interessante und auch unterhaltsame redaktionelle Ansätze bieten.“

Klar, wenn schon Ansätze für die Redaktion, dann redaktionelle. Aber einige Fragen bleiben offen: Besteht der Nutzen für die Gesundheit nun in der Förderung oder gar in der Vermeidung von „Intimleiden, Hygiene, Schwangerschaft“? Und wie fordert man die Hilfe der Wasserwerke durch Feuchttuchverstopfungen an?

All das wäre noch zu recherchieren, aber Kollege M. zog den Praxistest vor. Er füllte die Podusche mit Wasser und folgte sodann der Gebrauchsanweisung („Drück mich!“), sicherheitshalber aus dem Fenster, unter dem allerdings ein Unschuldiger gerade sein Fahrrad anschloss.

Kollege M. entschuldigte sich wortreich („Sorry, ich habe die Podusche probiert“) und verlas dann weiter die Aufschrift der Packung: „Ärschle gut, alles gut.“

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