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Times mager Pföschtle

Kurze Beine, Quadratlatschen, Pfeffermühlen, und wie das alles unzweifelhaft miteinander zusammenhängt.

Schweine
Schweine haben kurze Beine - und Lügen auch. Foto: imago

Wenn Lügen und Schweine etwas gemeinsam haben, dann die kurzen Beine. Zunächst zu den Schweinen.

Jüngst gab eine Dame aus dem Badischen zu Protokoll, der Kellner im italienischen Restaurant, das sie kürzlich besucht habe, sei gerade mal „einen Kopf größer als e Saustallpföschtle“ gewesen. Man konnte den Umsitzenden ansehen, wie in ihrer Fantasie eine mächtige Stallung Gestalt annahm, wie sie an den ziemlich niedrigen Pferchpfosten, die kurzen Beine der Insassen ins Kalkül ziehend, gedanklich Maß nahmen, und schon nahm der Kellner Gestalt an. Klein, kurzbeinig auch er, in der Hand eine riesige Pfeffermühle, denn das war das eigentliche Thema.

Dass es nicht ursprünglich um Schweine ging, lag ja auf der Hand, denn in der italienischen Küche sind sie nicht dominant, sieht man vom Schinken einmal ab bzw. von Spaghetti Carbonara oder „Schweinfilets undercover“ (siehe Internet). Nein, es ging um die Pfeffermühle, und zwar weder um das Leipziger Kabarett noch um das Frankfurter Restaurant gleichen Namens.

Zu Letzterem muss kurz eingeschoben werden, dass es das „Rahmschnitzel“ harmonischerweise „mit Rahmsoße“ anbietet, das „Jägerschnitzel mit Jägersoße“ und das „Pfeffer-Rahmschnitzel mit Pfeffer-Rahmsoße“ (s. Internet). Dafür soll hier einfach mal Danke gesagt werden.

Um aber zum Thema zu kommen, der Unsitte des öffentlichen Pfeffermahlens im Restaurant. Ein amerikanisches Magazin, erzählte einer aus der Runde, führe sie auf die Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert zurück, als es darum gegangen sei, den Gästen zu demonstrieren, dass der dargereichte Pfeffer frisch gemahlen aufs Essen komme und nicht mit Holzkohle versetzt sei. Ein Älterer wandte ein, in seiner Jugend habe er die Belästigung durch mahlwillige Kellner noch nicht gekannt, und sie (seine Jugend) habe durchaus nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert stattgefunden.

Jemand zitierte die „New York Times“, die einmal gefragt habe, woher der Gast wissen solle, ob er mehr Pfeffer wolle, bevor er überhaupt probiert habe. Dazu steuerte wiederum die Dame mit dem Saustallpföschtle bei, einmal habe sie Ja zum Pfeffer gesagt mit dem Ergebnis, dass ihr beim Essen die Augen getränt hätten, und „Tränen“, fügte sie hinzu, „lügen nicht“.

Eine Recherche am nächsten Tag ergab, dass die Dame bezüglich des Saustallpfostens gelogen hatte. In Wahrheit bezeichnet der Begriff – siehe Internet – „dicke Füße einer weiblichen Person“, auch „Mauken“, „Quadratlatschen“ oder „Waldbrandtreter“ genannt. Der endgültige Beweis konnte allerdings nicht angetreten werden, denn: „Es sind noch keine Videos vorhanden.“

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