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Times mager Ole Scheeren

Der Architekt Ole Scheeren möchte, dass Architektur nach innen und außen spricht. Welche Turmbauwisperei.

Ole Scheeren
Ole Scheeren genießt den Ruf des Furchtlosen. Foto: rtr

In der weiten Welt der Architektur, die sich allerdings bis heute damit zufriedengeben muss, dass sie noch immer mehr in die Breite geht als in die Höhe, wird immerhin groß ausgeholt, verbal groß. Man könnte auch von Höhenflügen sprechen. Kein Problem, sich diese als gedankliche Konstrukte vorzustellen. Als Fantasien, Visionen, als solche Unwirklichkeiten eben, die die Wirklichkeit in einen anderen Aggregatzustand versetzen sollen, in gebaute Visionen. Architekten arbeiten daran fleißig.

In der weiten Welt der Architektur spielt seit rund 15 Jahren der 1971 in Karlsruhe geborene Ole Scheeren eine Rolle. Er kenne keine Angst, hieß es soeben wortwörtlich in einem Kunstmagazin. Furchtlos auch sein Auftritt während der Nullerjahre in Frankfurt, als er die Gunst der Stunde nutzte, denn die Architekturszene war ein wenig ausgelaugt, der Glanz der weltweit von Wettbewerb zu Wettbewerb herumgereichten Global Player ein wenig abgenutzt. Also trat Scheeren, der „Himmelsstürmer aus Karlsruhe“ – das war der Ruf, der ihm vorauseilte –, in einem der Frankfurter Hochhaustürme vor Architekten, Projektentwickler, Stadtplaner und dozierte über die Baukünste des Büros Rem Koolhaas, in dem er seinerzeit angestellt war, als erster Mann in Peking. Unvergessen, dass er einer Architektur das Wort redete, die nicht „affirmativ“ ist.

Nein, Scheeren kannte schon damals keine Angst. Denn mit der nichtaffirmativen, sich also nicht mit der gebauten Wirklichkeit und den sozialen Verhältnissen gemeinmachenden Architektur, einer womöglich gar widerständigen Architektur, meinte er nichts weniger als ein Bauwerk in Peking. Unbedingt das von ihm als Büroboss verantwortete Zentrum des chinesischen Rundfunks und Fernsehens. Die Propagandazentrale erfuhr im Frankfurter Hochhausauditorium, damals, unbedingt hochverdichtete Affirmation.

Zuletzt hat Scheren den „Spiegel“ wissen lassen, dass er „Raumstrukturen schaffen“ wolle, „die ein neues und tiefes Erleben von Architektur und Umgebung ermöglichen“. Das Gespräch erweist sich als beredter Ausdruck einer Affirmation an einen Marketingsprech. Hoch hinaus will der Architekt auch mit dem Satz: „Viele Wohntürme, oder Hochhäuser allgemein, sind sozusagen stumme Gebäude, wir wollen sie sprechen lassen, nach innen, nach außen.“

Babylonische Sprachverwirrung? Oder Turmbaubewisperei, die (nach innen) in sich hineinhorcht und nach außen hin raunt. Die Worte in Scheerens Welt wollen gestaltet sein, doch seine Gedankenwelt ist nicht nur durchgestylt. Innere Durchökonomisierung, die aus seinem Gedankengebäude nach außen dringt.

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