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Times mager Null & Nix

Ein kleines, ganz kleines Gehirn bedeutet noch nicht, dass man nicht zählen kann. Jedenfalls für die Biene.

Bienen
Auch Bienen können zählen: „Offensichtlich sind große Gehirne nicht unbedingt notwendig, um mit Zahlenwerten umzugehen“. Foto: rtr

Bienen, so haben Wissenschaftler herausgefunden und berichteten es kürzlich in „Science“, sind zahlenbegabter als kleine Kinder (und, seien wir ehrlich, als Journalisten). Man wusste schon, dass sie – also die Bienen, nicht die Journalisten – bis vier zählen können, mindestens bis vier. Neu ist die Beobachtung, dass sie auch das Konzept des Null und Nix verstehen, was beim Menschenkind erst ab etwa vier Jahren der Fall ist. Und bei manchen Menschen gar nicht: Diese kennen nur Wörter wie größter, wichtigster, bedeutendster, historischster, intelligentester – und immer meinen sie sich selbst. Soweit wir wissen, sind bisher alle Wissenschaftler daran verzweifelt, einen Erreger für Größenwahn, Virus megalomania, zu finden, so dass dieser sich von den USA aus ungehemmt zu verbreiten droht. (Und hier und da schon eingetroffen ist.)

Zu Größenwahn aber hätten eigentlich eher die stets bescheiden in den Schwarm zurücktretenden Bienen Anlass: Kümmern sie sich doch im Verein mit den Blümchen seit Jahrhunderten um die Sexualkunde – und das, anders als der Biologielehrer, ganz ohne rot zu werden. Lässig erledigen sie nebenbei die Bestäubung. Und wenn ein Buch „Die Geschichte der Bienen“ heißt, wird es auf der Stelle zum Bestseller. Sicherlich zählt die Biene da doch mit ein wenig Stolz die Verkaufszahlen mit: eins, zwei, drei, vier, viele, noch mehr, ganz viele, am meisten.

Aber zurück zum Null und Nix und seiner Bedeutung. Den Bienen, denen man schon die Eins bis Vier nahegebracht hatte, die gelernt hatten, dass die niedrigere Zahl den Zuckersaft bringt (was erneut zeigt, dass so eine Biene anders, genügsamer gestrickt ist als ein Mensch und keineswegs auf einem Mehr und noch Mehr besteht), denen legte man also statt Blättern mit ein, zwei, drei, vier Punkten ein leeres Blatt vor. (Vorlegen klingt im Zusammenhang mit Bienen etwas offiziös, denn Bienen haben ja nicht in unserem Sinne ein Büro oder einen Schreibtisch, aber man sollte sie, siehe oben, dennoch mit Respekt behandeln.) Und siehe: Obwohl die Tierchen das nie zuvor trainiert hatten, steuerten im Schnitt 64 Prozent von ihnen auf Anhieb das leere Blatt an. Sie erkannten, dass Nix zuckerwasserbelohnungsmäßig noch besser zu sein verspricht als Eins.

„Offensichtlich sind große Gehirne nicht unbedingt notwendig, um mit Zahlenwerten umzugehen“, fassen die Wissenschaftler die Sensation zusammen. Das wird bei gewissen Menschen, die meinen, sie haben das größte, nicht gut ankommen. Aber vielleicht wissen sie das auch irgendwie und denken deswegen überwiegend gleich mit einem anderen Körperteil.

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