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Times mager Nudelstrick

Die Küche in Italien bietet eine breite Palette an kulinarischen Spezialitäten. Eine Speise sollte man an einem bestimmten Ort allerdings sofort wieder vergessen.

Italien ist nicht nur ein Nudelparadies. Foto: imago

Wo sich Italien zum Stiefelschaft verjüngt, liegt B., von dem hier schon vergangene Woche die Rede war. Das Licht des Südens ist, wie erwähnt, auf dieser Höhe schon stark genug, um manche Widersprüche in Wohlgefallen aufzulösen. Noch spürt man die Kühle der nördlichen Winde, aber von den eisigen Temperaturen, die Deutschland schauern lassen, merkt man im beinah mediterranen Sonnenschein nichts. Es ist hier kühl genug für eine Küche, die es an Fleisch und Wurst und kräftigen Soßen zur Nudel nicht fehlen lässt, aber warm genug, um sich den Bauch im Freien vollzuschlagen.

Aus dem Kopf schlagen allerdings sollte man sich hier eines: Spaghetti B.’ese. Mag der Parma-Schinken aus dem nahgelegenen Parma stammen und der Parmesan genauso und der Modena-Essig aus dem noch näheren Modena: Spaghetti B.’ese kennt der wahre B.’eser nicht. Spaghetti B.’ese, das ist für den B.’eser ungefähr so, wie es für den F.’er wäre, wenn ein Italiener seine Salami mit Kartoffelsalat reichen und „Frankfurter Würstchen“ nennen würde. Also beleidigend, verletzend und verboten.

Was der B.’eser kennt, das sind zum Beispiel Tagliatelle al ragù, die er gelegentlich, des Tourismus wegen, auch als Tagliatelle B.’ese verkauft. Oder Strozzapreti, geformt wie Stücke von einem kräftigen Strick, mit Wurst, genauer: einer Art Brät. Ein Nudelparadies! Und ein schöner Ausdruck gläubiger Distanz zum Klerus in einer mit Kirchen reich gesegneten Stadt, denn Strozzapreti heißt nichts anderes als „Erwürg die Priester“ oder kurz: Pfaffenwürger.

Tortellini, die einer längst widerlegten und nicht sehr präzisen Legende zufolge „nach dem Vorbild des Nabels der Venus oder dem von Lucrezia Borgia“ erschaffen worden sein sollen, wurden ebenfalls in B. erfunden. Und wohl nur hier pflegt man sie unter anderem mit einem weiteren Höhepunkt der B.’eser Kulinarik zu füllen: der Mortadella.

Nun schmeckt die Mortadella keineswegs wie Gelbwurst, aber es gibt Gemeinsamkeiten, und die wichtigste davon ist zerkleinertes Schweinefleisch. Vielleicht erinnern Sie sich, dass an dieser Stelle im Zusammenhang mit der Gelbwurst jüngst die Frage nach dem Kutter offengeblieben ist. Also: Ein Kutter „(von engl. cut, schneiden) ist eine Maschine, die (…) zum starken Zerkleinern und Vermischen von Lebensmitteln, vor allem Fleisch, verwendet wird“ (Wikipedia).

Sie waren also etwas voreilig, als Sie bei Kutter gleich an Schiffe dachten, genau wie Kollegin N., die vorlaut ausrief: „… weil die so spitz sind und die Wellen zerschneiden!“ Aber wissen Sie was? Das stimmt. In B. wird übrigens auch gern Fisch gegessen.

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