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Times mager Namen

Es ist nicht leicht, seinen Namen zu ändern, aber es ist möglich. Und kommt immer häufiger vor.

Ehering
Wenn gerade keine Hochzeit ansteht, wird die Namensänderung schwierig. Foto: imago

Das Times mager hört ja so einiges, zum Beispiel, dass eine Kollegin, deren Name hier nichts zur Sache tut, demnächst heiraten werde. Der Name der Kollegin wird sich aus Anlass ihrer Vermählung womöglich ändern, denn, so hört das Times mager: Sie mag ihn nicht.

Weiter unten im Text werden Sie sehen, dass sich in Sachen Namenswechsel noch wesentlich existenziellere Fragen stellen, aber bleiben wir zunächst bei den Eheschließungen.

Menschen, in deren Jugend einmal das Heiraten als höchste Form des Spießertums galt und das Ablegen des Namens seitens der Ehefrau als kapitaler Verstoß gegen die Emanzipationsbewegung, staunen über die jüngsten Entwicklungen fast ebenso sehr wie über die Erfindung des Darknets und des Undercuts. So kann es vorkommen, dass in einer einzigen Hausgemeinschaft innerhalb weniger Jahre zwei wunderschöne Nachnamen verloren gehen (H. und K.), weil die eine Dame den Vater und die andere den Sohn geheiratet hat, so dass praktisch an jedem zweiten Briefkasten derselbe Name steht (M.).

Andererseits führte der Erhalt von Namen bei Eheschließungen früher zu unerfreulichen Ketten (Funke-Schmitt-Rink, Noelle-Neumann-Maier-Leibnitz), aber dem machte 1993 ein Gesetz und 2009 noch einmal das Bundesverfassungsgericht ein Ende. Ja, wenn es ernst wird, ist der Rechtsstaat zur Stelle.

Nun stellen Sie sich aber vor, Ihr Name gefällt Ihnen einfach nicht, und Heiraten steht gerade nicht an. Dafür gibt es, kein Witz, das Namensänderungsgesetz (NamÄndG). Kurz zusammengefasst: Wenn Sie „Blöd“ heißen oder „Hitler“, ist die Sache einfach, bei Trump und Seehofer wird es eng. Andererseits: Auch wenn Ändern geht, können Sie nicht einfach heißen, wie Sie wollen. James Bond ist nicht drin, selbst wenn Ihr Onkel Sie ständig mobbt (Verwaltungsgericht Koblenz, Az. 1 K 616/16.KO). Es sei „nicht nachvollziehbar dargelegt, dass die familiären Konflikte mit einem anderen Namen beigelegt werden könnten“, bemerkte das Gericht, und da ist sicher etwas dran.

Kommen wir nun aber zu einem wenig beachteten, existenziellen Thema: dem drohenden Namensverlust. Noch finden sich Schlagzeilen, die Klarheit und Verlässlichkeit vermitteln sollen („Der Sieger heißt eindeutig Horst Seehofer“). Aber wer fleißig Zeitung liest, findet immer häufiger Anzeichen, dass ein massenhafter Identitätsdiebstahl im globalen Maßstab kurz bevorstehen könnte.

Die FR hat diese Problematik erst jüngst in einer unauffälligen Unterzeile paradigmatisch zusammengefasst: „Australiens neuer Regierungschef heißt Morrison – aber wie lange?“ Der arme Morrison, das Times mager wünscht ihm einen lebenslangen Namen. Möglichst Morrison.

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