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Times mager Nach Wien!

Der Wechsel von Martin Schläpfer ist für ihn eine Herausforderung. Und für das Publikum in der österreichischen Hauptstadt.

Wien
Das Publikum an der Staatsoper wird künstlerisch quasi mitwachsen müssen. Foto: Imago

Seit Jahrzehnten ist das Wiener Staatsballett kein lohnendes Reiseziel mehr, zeigt es doch ganz überwiegend das (vor allem anderswo) gut Abgehangene. Handlungsballette von Hamburgs Ballettchef John Neumeier etwa, auch immer noch die Klassikerfassungen nach Petipa oder von Rudolf Nurejew, dessen choreographisches Talent mit seinem gewaltigen Ruf als Tänzer nicht annähernd mithalten konnte. Während in London, Paris, München, Stuttgart wenigstens ab und zu Großes gewagt wurde, während dort auch mal junge Choreographen eine Chance erhielten, die dann einen beachteten, beachtlichen Weg nahmen, war es um Wien so still, dass sich Staubkorn auf Staubkorn auf die Staatsbühne legen konnte.

Bogdan Rošcic, Wiens Staatsopernintendant von der Saison 2020/21 an, hat nun Martin Schläpfer fürs Ballett angeworben. Der Schweizer Choreograph wuchs in Mainz als Künstler heran, wechselte, da er nach zehn Jahren endlich über eine größere Compagnie verfügen wollte, nach Düsseldorf zur Deutschen Oper am Rhein, gab 2016 den Direktorposten ab an seinen Tänzer Remus Sucheana. Letzteres, so führte er damals an, um von Administrativem befreit zu sein und mehr Zeit und Kraft für künstlerische Belange zu haben.

Man kann also durchaus erstaunt sein, dass er jetzt ein Ballettmuseum mit nur wenigen modernen Ausstellungsstücken übernimmt – vermutlich mit dem mühsamen Auftrag, es gründlich zu renovieren. Ein Auftrag, der nicht weniger mühsam wird, da Schläpfer sich seine Düsseldorfer Freiheiten – Verwaltungsaufgaben abgeben, als Gastchoreograph unterwegs sein dürfen – damit erkaufte, dass er die Aufführungsrechte an seinem Repertoire komplett an die Deutsche Oper am Rhein abtrat. Das, obwohl es im Tanzgeschäft eine sinnvolle Tradition ist, dass Choreographen, die das Haus wechseln, dort zwar selbstverständlich Uraufführungen herausbringen, ihren Spielplan an der neuen Wirkungsstätte aber mit älteren Stücken auffüllen und verstärken.

Schläpfer, Jahrgang 1959, spricht in Bezug auf Wien von einer großen, „künstlerisch notwendigen“ Herausforderung. Schon vor zwei Jahrzehnten, am Mainzer Anfang, sah er sich als (schweizerisch?) besonnen, aber stetig an den Aufgaben Wachsender. Jetzt will er es wohl noch mal richtig wissen. Allerdings wird das Publikum in der österreichischen Hauptstadt künstlerisch quasi mitwachsen müssen: Das kann gerade für Choreographen, die an einem bisher sehr traditionellen Haus die Richtung ändern sollen (und wollen), zur größeren Herausforderung werden.

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