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Times mager Mümpfeli

Fruchtgummi, ein weites Feld.

Zahnarzt
Zu viele Gummibärchen können Konsumenten zum Zahnarzt zwingen. Foto: rtr

Die Menschen haben so viele Fragen an Gummibärchen. Hallo Gummibärchen! Warum liegt ihr in unseren Hotelbetten? Warum werdet ihr im Wasser riesengroß? Hier, Gummibärchen – warum seid ihr überhaupt Bären?

Wobei man sagen muss: In der Rubrik Betthupferl liegen, wie in jeder anderen Rubrik auch, zurzeit die Fußballer vorn. Präzise gesagt: die Schokoladen Fußballer Standard, wie der Dienstleister Gastrohotellieferant ohne Rücksicht auf Bindestriche ausführt. Gefolgt von Fruchtgummi Fußball-Motiv I (jetzt plötzlich mit), Fruchtgummi Fußball-Motiv II, Fruchtgummi Fußball-Motiv III und – na? Fruchtgummi Fußball-Motiv D. Sortiert übrigens „nach Relevanz“. Weit abgeschlagen: Fruchtgummi Hello-international und Silvester Fruchtgummi.

Mal abgesehen von der Bindestrichpolitik der Betthupferlproduzenten: Warum Motiv D und nicht IV? Ein Deutschlandbezug ist der Tüte nicht zu entnehmen, und dass die Fußball-Betthupferl „das kleine Danke schön an Ihre Besucher vor dem Zubettgehen oder vor der Abreise“ sind, hat Tüte D mit I, II und III durchaus gemein. Ebenso das Versprechen: „Mit dieser kleinen Aufmerksamkeit bleiben Sie bei Ihren Besuchern in bester Erinnerung.“

Beim Zahnarzt Ihrer Besucher vermutlich auch. Es soll hier und heute aber nicht um Fußball und auch nur am Rande um Zähne gehen, sondern, wie gesagt, vorwiegend um Gummibärchen. Die Menschen checken im Hotel ein, die Menschen sinken müde in die Kissen, es knistert unterm linken Ohr, ah, oh, eine Tüte Gummibärchen, zehn Gramm, hamm, hamm, schnarch, Karies.

Warum wollen uns Hoteliers mit Betthupferl (schweizerisch: Bettmümpfeli) der Zähne berauben? Warum hat sie der Wiener Zuckerbäcker Oskar Pischinger, vor 60 Jahren übrigens, in Form von Nusskrokant erfunden? Die Familie ist heute noch stolz drauf: „Unsere Betthupferl tragen nicht zufällig ihren Namen: Durch ihr ansprechendes Format können sie unterwegs in der U-Bahn, zwischendurch auf der Arbeit, aber eben auch bequem im Bett oder auf der Couch genascht werden.“

Bequem im Bett. Ob Hans Riegel aus Bonn das vorschwebte, als er seinerseits 1922 die Goldbären erfand? Riegels kleine Raubtiere waren den damals sehr beliebten Tanzbären nachempfunden, wie man im Kindernetz-Archiv des SWR lernen kann – ob er ahnte, dass sie einst auf Hotelkopfkissen lagern würden? Dass sie später mal zum Muskelaufbau nach dem Krafttraining empfohlen werden sollten (von windigen Krafttrainern)? Dass sogar die Apotheke sie als Bonus für Online-Besteller auslobt (85 Gramm)?

Die Apotheke! Im Moment allerdings nicht. Momentan gibt es dort die Deutschlandstofftasche als Bonus. Ohne Bindestrich.

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