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Times mager Montage

„I Don’t Like Mondays“ sangen die Boomtown Rats. Wahrscheinlich, weil sie montags immer auf Montage sind.

Zahnrad
Überlegenswert erscheint auch eine stärkere künftige Verwendung für Momente des Vor-sich-hin-Denkens mit stierem Blick: auf innerer Montage sein. Foto: Imago

Der heutige Mittwoch möge bitte nicht beleidigt sein, auch Mittwoche haben ihren Reiz, aber: Dem Montag wohnt ein exklusiver Zauber inne. Einer, der sich manchen Benutzern erst am Dienstag erschließt, anderen niemals, denn sie mögen keine Montage.

Dabei wird die besondere Magie des Begriffs ja erst in der Mehrzahl manifest: Es könnte eine Anhäufung erster Tage der Woche gemeint sein, aber auch das, worauf sich Handwerkerinnen bzw. Handwerker befinden, wenn sie von Montag bis Freitag zu siebt in einer billigen Zweizimmerwohnung nächtigen, Zigaretten rauchen und erst fürs Wochenende heim dürfen zu Frau (Mann) und (oder) Kind.

Mitunter montieren sie gar nichts. Auf Montage sein, das steht in unserer komplizierten modernen Arbeitswelt weitaus häufiger für die bloße körperliche Abwesenheit. „Ihren Mann hab ich ja auch schon ewig nicht mehr gesehen, Frau Querschmidt.“ – „Jaja, der ist auf Montage.“ Berichten zufolge soll die reisende zupackende Tätigkeit längst auch als Premium-ausrede herhalten: „Sehen wir uns am Donnerstag?“ – „Sorry, da bin ich auf Montage.“ – „Aber, äh … sagtest du nicht, du seist Finanzbeamter?“ Überlegenswert erscheint auch eine stärkere künftige Verwendung für Momente des Vor-sich-hin-Denkens mit stierem Blick: auf innerer Montage sein.

Aber zurück zum wöchentlichen Singular. Synonymhaft verwendet, haftet dem Montag ein überwiegend mieser Leumund an. Beginnt der Januar so verregnet wie in diesem Jahr, ist man geneigt, ihn als einen einzigen „Montag des Jahres“ zu verunglimpfen. Spurt das Kraftfahrzeug nicht wie gewünscht, handelt es sich landläufig um einen Montagswagen, also gefertigt von Leuten, die keine Montage mögen und deshalb zu Wochenbeginn schlechter arbeiten, selbst wenn sie mittlerweile bekanntlich Maschinen sind.

Warum müssen Sie das alles an einem Mittwoch über sich ergehen lassen? Weil die irische Band The Boomtown Rats einst (an einem Samstag) ihren größten Hit veröffentlichte, das Lied „I Don’t Like Mondays“. Es erzählte, wie die Welt weiß, nicht von einer bloßen Aversion gegen diesen Tag, sondern von tödlichen Gewehrschüssen einer 16-jährigen Amerikanerin, die ihre Tat mit den zitierten Worten begründete.

Soeben haben die Boomtown Rats ihr geplantes Konzert in Frankfurt storniert, und Sie ahnten es schon, es sollte an einem Montag stattfinden. Begründung der Musiker für die Absage: dringende Arbeiten am neuen Album. Ebenso gut hätten sie sagen können: Sorry, wir sind auf Montage.

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