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Times mager Merz, der Heilsbringer

Friedrich Merz geht so geschickt vor, dass ihn die CDU möglicherweise als Heilsbringer sieht.

Friedrich Merz
Friedrich Merz hat Rückendeckung von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble bekommen. Foto: Christoph Schmidt

In diesen Tagen ist uns durch den Kopf gegangen, dass der Aktieninhaber und dabei nicht allein an seine private Alterssicherung und ein allgemeines Rentenmodell gedacht hat. Auch wenn er sich seit 2009, seit seinem Abschied aus dem Deutschen Bundestag, aus der Politik längere Zeit heraushielt, so hatte er in ihr doch weiterhin Aktien drin, einen wie man heute weiß, sehr gestreuten Aktienbesitz, nicht nur in der Union.

Also suchte er die Nähe auch zu Wolfgang Clement, dem früheren Superminister Gerhard Schröders. Kein Thema, das beide 2010 nicht als Co-Autoren angesprochen hätten. Die Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit, die Staatsschulden, das bisschen Wachstum. Als hätten beide Politiker nicht irgendwie Aktien auch in der allgemeinen Fehlentwicklung gehabt, beleuchteten sie schwungvoll eben diese Fehlentwicklung. „Was jetzt zu tun ist“: Die schmissige Ankündigung im Titel nutzte Merz im Buch selbst für die unmissverständliche Vorhersage: „Es kann auch sein, dass ich in einigen Jahren noch einmal ein politisches Amt annehme.“ Bei einer ihn eines Tages erneut überzeugenden politischen Aufgabe, „bin ich der Letzte, der Nein sagt“.

Tatsächlich war er dann nicht der Letzte, als es um die Nachfolge Angela Merkels ging – und dass er gar der Erste, so etwas wie der Primus inter pares ist, hat soeben, rechtzeitig zum Hamburger Parteitag, eine so neutrale Instanz wie der Bundestagspräsident, ausgesprochen, Wolfgang Schäuble also: „Eine Mehrheit für Merz wäre das Beste für das Land.“ Halleluja! Der CDU-Politiker begründet das Wohl für das ganze Land mit Merzens Elan, den er auch bei Spahn und Kramp-Karrenbauer sieht, aber den Schwung zur Veränderung sieht er bei Merz am stärksten ausgeprägt ebenso wie dessen Integrationsvermögen. Auch wäre Merz der größte Stabilisationsfaktor. Ein Anker? Auf jeden Fall ist sich Schäuble sicher: „Die politischen Ränder würden wieder schwächer.“

Merz, der Heilsbringer, so lautet das Mantra der CDU während der letzten Wochen. Glaube, Liebe… Weil Merz in Aussicht gestellt hat, die AfD zu schwächen, wird dem immer schon polarisierenden Politiker (Leitkultur, Einwanderung, Asyl, Alterssicherung) sein Versprechen nicht nur von den Christen in der Partei abgenommen, und zwar rückhaltlos.

Wo man in der Partei ansonsten hinschaut – Konflikte. Weil aber die Glaubwürdigkeitskrise so immens ist, möchte sich die CDU nicht auch noch zu einer Glaubenskrise verdammt sehen.

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