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Times mager Marx in Trier

Ortsunkundige aller Länder, vereinigt euch in Trier!

Marx-Statue in Trier
Trier hat jetzt einen weiteren Treffpunkt: die Marxstatue. Damit hat sie wenigstens einen Gebrauchswert. Foto: dpa

In Trier, der Stadt mit einem römischen Siedlungshintergrund, muss sich zukünftig kein Mensch (somit auch kein Marxist) mehr an den altbekannten Sehenswürdigkeiten verabreden, etwa auf der Brücke über die Mosel. Was auch gar nicht so einfach ist, denn wo auf ihr, dem ältesten römischen Brückenbau nördlich der Alpen, auf der West- oder der Ostseite? Sicher, irgendwie wird man sich schon sehen. Und wenn nicht? Ja, es gibt das Handy. Oder soll man vielleicht sofort Porta Nigra sagen oder Kaiserthermen oder Konstantinbasilika? Wie wäre es mit dem Amphitheater oder in der Judengasse (in deren diskriminierender Enge man sich kaum verfehlen könnte). Oder bietet sich die Domfreiheit an – aber wo da, auf dem großen Platz, schön, schön.

Trier kann ungemein vielfältig sein, und wer darin eine Herausforderung sieht, erblickt in der Vielfalt keine Zumutung, zumal im Trier von heute nicht mehr alle Wege Richtung Rom weisen. Eine auffällige Erscheinung, die Einkaufszone entlang, die Porta Nigra im Rücken, linker Hand, ist auch das „Dreikönigenhaus“, frühgotisch, wofür der Stufengiebel spricht, nicht die romanischen Bögen. Ein Bauwerk der Übergangszeit, um 1230 errichtet, auf jeden Fall in Stein gemeißelt der Bauschmuck, farbenfroh die Ausmalung. Was noch? Recht herzlichen Dank für die Ausführungen, aber man muss weiter. 

Trier ist ganz gewiss ein ungewöhnlicher reichhaltiger Aufenthaltsort für nicht wenige Erinnerungsorte aus einer längeren Geschichte, woran auch das Marxhaus erinnern soll, direkt in der Trierer Altstadt, aber was heißt schon direkt – so dass man, ob Mensch oder Marxist, an dem Haus schon mal glatt vorbeilaufen konnte. 

War ganz schnell passiert. An dem Marxhaus? Ah, das da! Wollte sich der Ortsfremde in der Vergangenheit an einem Wegweiser zum Marxhaus verabreden, hätte sogar der Marxist Orientierungsprobleme bekommen. 

Ja, Trier kann Probleme bereiten, denn die Nachfrage nach den näheren Lebensumständen von Marx, auch in seiner Geburtsstadt (Heimatstadt?) ließ sich nicht so ohne weiteres befriedigen. Das Telos Marxhaus ließ sich ob einer mäßigen Beschilderung verfehlen – und angesichts der teleologischen Mucken der Wegbeschreibung Richtung Marxhaus gab es wohl Nachholbedarf. 
Nun aber! Hat doch die chinesische Regierung (also die KP Chinas) Trier zum 200. Geburtstag des größten Sohnes der Stadt eine Statue geschenkt – muss man von einem Fetisch der Weltrevolution sprechen? Auf jeden Fall hat die Stadt jetzt eine weitere Anlaufstelle, einen Treffpunkt, einen Meeting Point. Da hätte dann die Marxstatue einen Gebrauchswert. Ortsunkundige aller Länder, vereinigt Euch hier in Trier. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Karl Marx 200

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