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Times mager Marx in Trier

Triers Denkmal-Plan zeigt: Alle bisherige Geschichte der Kunst ist eine Geschichte der Kämpfe gegen den Kitsch.

Marx
Das Holzmodell, das bereits Probe steht, sieht eher so aus, wie sich viele Denkmäler aus einer gewissen Phase des 19. Jahrhunderts darstellen – unglaublich bieder. Foto: Harald Tittel (dpa)

Alle bisherige Geschichte, so lautet eine klassische Erkenntnis, ist eine von Deutungskämpfen. Das weiß man auch in Trier, und man weiß es in der Stadt nur zu genau, wo sie doch einen so großen Sohn hervorgebracht hat wie Karl Marx, auch wenn der junge Student seine Energien bald über die Stadt hinaus lenkte (Linkshegelianer und Konsorten), um als Weltverbesserer tätig zu werden.

Nun hat Trier mit dem Philosophen, Ökonomen und Ideologen, dem kämpferischen Autor, klasse Stilisten, gewaltigen Denker immer wieder mal Probleme gehabt, weil er schließlich ein Aktivist des Kommunismus wurde – nicht einer seiner Gründerväter war, aber doch wohl so etwas wie die Über-Ich-Instanz in sämtlichen Fragen der Weltrevolution.

Den ehren? So wie jetzt geplant? Man muss dazu vielleicht auch sagen, dass der Passant durch einen Teil der Trierer Altstadt läuft und sich dabei auch ein wenig verläuft. Denn die Beschilderung ist mäßig, so dass man am Marx-Haus schon mal vorbeiläuft, ohne das Haus wahrzunehmen, ein historisches Bauwerk. Das Marx-Haus? Ach das da!

Ästhetik des Einfältigen

Der Gedenkstätte geht eine gewisse Präsenz ab. Warum Marx also nicht im öffentlichen Raum pointierter zeigen? So richtig ausstellen? Die chinesische Regierung will der Stadt, Anlass ist der 200. Geburtstag am 5. Mai 2018, eine Statue vermachen. Marx soll 6,30 Meter Gesamthöhe annehmen. Monumental soll er vor dem Museum stehen, vor dem Stadtmuseum, nicht dem Marx-Museum. Eine gewisse Basis in Trier murrt, aber auch Parteien wie die FDP und AfD opponieren gegen die Statue. Nichts gegen einen Über-Bau durch eine überlebensgroße Darstellung haben SPD und Linke. CDU und Grüne kämpfen noch mit sich. Es geht in Trier ziemlich hitzig darum, ob ein Denkmal seinen Weg machen soll, wie es derjenige tat, der dem Monument zum Vorbild dient. Vorbild? Der SPD-Oberbürgermeister, angesprochen auf den Charakter des Geschenks sowie die sicherlich chinesische Handschrift des Auftragswerks aus Peking, betonte, der Marx von Trier werde keinesfalls sozialistisch oder stalinistisch aussehen.

Nun, das Holzmodell, das bereits Probe steht, sieht eher so aus, wie sich viele Denkmäler aus einer gewissen Phase des 19. Jahrhunderts darstellen – unglaublich bieder. Ein gewisser sozialistischer Biedermeier, der hundert Jahre später zur Doktrin erhoben wurde, pochte auf eine Ästhetik des Einfältigen. Auch in Trier wird einmal mehr manifest: Alle bisherige Geschichte der Kunst ist eine Geschichte der Kämpfe gegen den Kitsch.

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