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Times mager Man hört mit

Handy-Dialoge: Probleme mit J. und G. - und auch für die, die davon gar nichts wissen wollen.

Dinge hören, die man gar nicht wissen will: Handy-Dialoge in der Öffentlichkeit. Foto: imago

Der J., das war von vorneherein klar. So kenne sie ihn, und dass sie ihn schon lange kennt, ist auch klar. Kein Wunder also. Und die G.? Die G. unterstütze den Kerl. War es anders zu erwarten? War klar, ebenfalls von vorneherein.

So wird es unmissverständlich deutlich. Und zu übersehen ist es auch nicht. Denn wer in einem so öffentlichen Raum wie einer S-Bahn in sein Handy spricht, tut es hier und da nicht nur unüberhörbar. Er unterstreicht dies dann auch gelegentlich drastisch. Mithörend kann man dem Unüberhörbaren also zusehen, während die Sprechende sich äußert. Im vorliegenden Fall wie sonst nur ein Sprechender.

Mitgefahren, von vorneherein mitgefangen, sobald ins Handy verlautbart wird. Das muss nicht so kommen, aber es lässt sich wohl nur schlecht vermeiden. Das Handy ist animierend, ein smarter, ein handlicher Verstärker. Ja, sie hasse es. Nein, die Sprechende meint nicht das Handy, vielmehr das, was aus dem Handyhintergrund so alles zu hören ist, nämlich über den J. Gut, dass es dem J. so deutlich gesagt wurde. Nur nichts bieten lassen. Die Miene der Sprechenden verfinstert sich noch mehr wegen der Sache, in der Sache, die offen angesprochen wird. Ausgesprochen wird sie in ein rechtes Ohr (derjenigen, die das Handy benutzt, ohne zu sehen, was das aus dem Mund der Sprechenden heraus in das Ohr des Mithörenden anrichtet. Das müsste eigentlich klar sein, ist es aber wohl doch nicht).

Ganz Ohr also, weiteres über den J. So lernt, wer ein Mithörender ist, vieles, über den J., die G. nicht zu vergessen. Richtig, die G. Der Mithörende kann sich einstellen auf ein Hinhören genauso gut wie auf ein Weghören. Das Handy ist ein Werkzeug, ein Instrument, das nicht nur einen Selbstzweck erfüllt, einen solchen natürlich auch, klar. Aber zudem animiert es den Mithörenden, genau. Denn mithörend fragt der sich: Sage ich was, sage ich nichts? Bitte ich um Rücksichtnahme, gar um Diskretion?

Wo man schon beim Ich ist – es möchte aber vielleicht nicht weiter auffallen. Also hört das Ich stumm mit. Ja, der J., so wie das Ich ihn bereits kennt. Ein Mensch, von dem man sich nichts bieten lassen dürfe, zumal zusammen mit G. Ein richtig übles Gespann. Schlimmer noch. Da fehlen eigentlich die Worte. Nickend sagt das die Sprechende, um für eine Weile in einen Hörerinnenmodus zu fallen, ebenfalls nickend. Fehlen jetzt wirklich die Worte?

Als Mithörender muss das Ich nicht alles verstehen. Auch wenn es sich vieles zusammenreimen kann, mein Ich.

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