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Times mager Lukrieren

Eine PR-Agentur möchte die Wahrheit in schönster Form verbreiten. Das dient auch der Völkerverständigung.

Kim Jong Un
Hoffentlich weiß Diktator Kim Jong Un was gemeint ist, wenn man ihm erklärt, dass mit Atombomben für ihn nichts zu lukrieren ist. Foto: Imago

Wir leben ja in Zeiten der digitalen Globalisierung bzw. der globalen Digitalisierung, da ist Völkerverständigung natürlich besonders wichtig. Und es lässt sich sagen: Die Sache läuft, und zwar schief. Siehe Deutschland/Österreich und Südkorea/Nordkorea.

Eine der Agenturen, die das Times mager regelmäßig mit humorigem Material versorgen, teilt mit: „Heute wollen wir den Zeitfressern an den Kragen! Und zwar jenen, die Hoteliers und Touristiker täglich plagen. Facebook checken, Homepage analysieren, Bewertungen lukrieren, Nächtigungsstatistiken auswerten ...“ – an dieser Stelle fragte Kollegin A., was das sein solle, eine Übernächtigungsstatistik, aber sie hatte sich nur verhört, weil sie von einer am Vorabend erlittenen Geburtstagsfeier noch nicht ganz genesen war. Die Frage, ob ihr das Wort „lukrieren“ bekannt sei, beantwortete sie zudem spontan mit „Nein“, ebenso wie alle anderen Anwesenden.

Allerdings herrschte allseits die Meinung vor, dass es das Wort womöglich tatsächlich gebe. Schließlich werbe die Agentur mit dem Slogan „PR = Verbreitung von Wahrheit in schönster Form“ für sich, was ebenso unbestreitbar sei wie die Aussage „Diesel = Gesundheit in staubfeinster Dosierung“ oder „Weinstein = Feminismus für Fortgeschrittene“. Und tatsächlich teilte das Internet mit, „lukrieren“ bedeute so etwas wie „gewinnen“, das Wort sei allerdings „veraltet außer in Österreich“.

Jetzt stellen Sie sich, falls möglich, einmal vor, Sie wären ein Österreicher oder eine Österreicherin. Wer sollte Sie noch für den europäischen Gedanken lukrieren, wenn man Ihnen das Europa der zwei Geschwindigkeiten derart bedenkenlos um die Ohren haut? Wenn man Sie mit der Nase darauf stößt, dass Sie noch herumlukrieren, während der ganze Rest längst gewinnt? Wäre das nicht Grund genug für einen kleinen deutsch-österreichischen Handelskrieg? Die Agentur residiert übrigens in „A-5600 St. Johann im Pongau“.

Bei Süd- und Nordkorea ist es so, dass die Paralympischen Spiele nicht ganz so gut begonnen haben wie die Olympischen Spiele. Der Deutschlandfunk meldete bereits im Vorfeld: „Bei der Eröffnungsfeier werden die Sportler aus Nordkorea getrennt von der südkoreanischen Mannschaft ins Stadion kommen. Zur Olympia-Eröffnung gab es einen gemeinsamen Einlauf der Mannschaften beider Länder.“

Wir können nur hoffen, dass der große amerikanische Präsident („Trump = Frieden schaffen ohne Waffen, jedenfalls vielleicht im Ausland“) dem nordkoreanischen Diktator klarmachen wird, dass es mit der Atombombe für ihn nichts zu lukrieren gibt. Am besten bei einem gemeinsamen Einlauf.

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