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Times mager Luhe jetzt!

Im einstigen „Heide-Hollywood“ zeigt sich auch bloß, dass die großen Tage vorbei sind.

Hildegard Knef in „Die Sünderin“ - eine Nacktszene, welche Demonstrationen, Skandale und gewalttätige Proteste auslöste.

Ganz, ganz schnell sei an dieser Stelle an eine Halle in Bendestorf in der Lüneburger Heide erinnert. Es muss deshalb fix gehen, weil das Ding gerade abgerissen wird, Bagger machen alles nieder. Bendestorf liegt im Kreis Harburg südlich von Hamburg, dessen fantastische Kreisstadt Winsen an der Luhe weltbekannt ist wegen des Witzes, warum der Chinese im allgemeinen so gerne dort hinzieht? – Na, natürlich, weil el dolt seine Luhe findet.

Abel zulück zul Halle, hoffentlich steht jetzt noch was davon. Sie weicht, natürlich, 30 Luxuswohnungen, man ist im Hamburger Umland und war jahrzehntelang ein bedeutendes Filmstudio. Um Winsen an der Luhe herum nannte man Bendestorf auch „Heide-Hollywood“. Zu Recht. Heinz Rühmann, Hardy Krüger, Ruth Leuwerik, Hans Albers, John Lennon, jawohl, auch der – alle waren mal zum Dreh dort draußen in Bendestorf. Der letzte Heide-Hollywood-Promi war 2015 Heino Ferch.

1950 ereignete sich in Bendestorf bei Winsen an der Luhe einer der größten Skandale der jungen Bundesrepublik. Dort wurde der Kino-Film „Die Sünderin“ gedreht, in dem erstmals eine Frau, in diesem Fall Hildegard Knef, nackt zu sehen war. Die Szene dauerte zwar nur geschätzt 0,00034 Sekunden, sorgte aber neben anderen Themen des Films wie Prostitution, Suizid, Sterbehilfe und wilde Ehe für mächtig Aufregung. Der Kölner Erzbischof Joseph Frings verurteilte den Film in einem Hirtenbrief. Es kam zu Demonstrationen und gewalttätigen Protesten, was im Januar 1951 nach dem Kinostart gleich vier Millionen Deutsche in die Lichtspielhäuser trieb.

Und nun? Gibt es nichts mehr zu sehen. Ein bisschen Filmmuseum bleibt in Bendestorf, Poster, Autogramme, Kameras, Mischpulte, Schnitttechnik. Ansonsten ist nicht mehr so viel los im Landkreis Harburg verglichen mit den heißen 50ern. Sieht man von einer Polizeikontrolle bei Hollenstedt auf der Autobahn 1 ab, wo kürzlich eine Frau angehalten wurde, die in ihrem Kleinwagen 15 Lämmer durch die Gegend fuhr. Und zwar, so der Polizeibericht, ungesichert.

Im Gegensatz zur göttlichen H. Knef war die Frau aber bekleidet, als sie den beiden trotz etlicher Dienstjahre doch erstaunten Polizisten erklärte, sie wolle eine Schafzucht aufmachen. Die Lämmer wurden, um das auch noch zu erzählen, vom Amtstierarzt beschlagnahmt, weil den Polizisten bei Prüfung aller Umstände aufgefallen war, dass bei der Dame schon einmal Tiere beschlagnahmt worden waren. Von einem Hirtenbrief in dieser Sache ist nichts bekannt.

Das Beschlagnahmen der Lämmer – was wäre das für ein Filmtitel. Erbärmlich, natürlich. Aber so geht es jetzt zu in der Gegend, die „Heide-Hollywood“ war und es nie mehr sein wird.

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