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Times mager Listen

Im Supermarkt sind Einkaufslisten Gold wert. Je liebevoller sie verfasst werden, desto besser. So kann sogar das Gemüse im heimischen Garten sprießen.

Liste
Kleines Herzchen, klare Zeichnungen: Eras Einkaufsliste von Tomate bis Pfannkuchenteig. Foto: Twitter/Era Golwalkar

Der Mensch liebt klare Vorgaben. Ohne klare Vorgaben hat der Mensch nur Quatsch im Kopf. In diesem Sinne machte voriges Jahr ein Einkaufszettel Furore, den die indische Computerspezialistin Era Golwalkar ihrem Ehemann mit auf den Weg gab.

Der Zettel enthielt neun Posten, von der Tomate bis zum Pfannkuchenteig, und bestach vor allem durch die kleinen Zeichnungen, die Ms Golwalkar ihrer Liste beifügte. So signalisierte sie dem Gatten etwa anschaulich, dass die Peperoni kerzengerade und nicht geringelt sein dürfen, die Zwiebeln keine Keimlinge und die Spinatblätter keine Löcher haben sollen. Für die gewünschten Kartoffeln mittlerer Größe malte sie drei unterschiedlich große Exemplare und einen Pfeil, der auf die Kartoffel in der Mitte zeigt, unterzeichnete alles mit „Era“ und einem Herzchen.

Mitteleuropäer dagegen finden in Einkaufswagen immer nur langweilige, oft lustlos hingekritzelte und achtlos zurückgelassene Listen charakterlich zweifelhafter Leute, die ihre Listen achtlos in Einkaufswagen liegen lassen. Was soll ich im einzig verfügbaren Wagen (weil festgekettet und nur durch Einsatz eines Euros freizukaufen) mit dem Einkaufszettel meines Vorgängers? Ich muss ihn in die Hand nehmen und entsorgen. Aber wo? Andererseits kann man ja ruhig mal einen Blick drauf werfen.

Aha, soso: „Balsamico, Salat, Paprika, Tomaten, Speck, Pilze/Gurken/Mais, Käse, Wurst“, in Damenschrift. Fehlerfrei sogar, ein seltenes Glück. Zettels Traum sozusagen. Und das Schicksal spielt dem Wagenlenker mit derselben Lieferung sogar noch den Kassenbon in die Hände. Was haben wir denn da? „HA-Schnitzel“ (ähm, Hasenschnitzel? Haltbares Schnitzel?), „MSC Kabel Jau, Banane Bio, Apfel Gala, Erdnüsse, Salat Roma Herz“, macht zusammen 33,94 Euro. Da sieht man, was alles schiefgehen kann, wenn man a) die Rechtschreibung den Lebensmittelkonzernen überlässt und b) den Ehemann ohne erhellende Zeichnungen losschickt.

Era Golwalkar hatte bis zu ihrem bahnbrechenden Einkaufszettel nur einen einzigen Beitrag im Kurznachrichten-Internetdings Twitter veröffentlicht („Nach fast eineinhalb Jahren auf Twitter weiß ich immer noch nicht, was ich hier schreiben soll“, 2013), und dann zack: sechseinhalbtausend Gefälltmirs. Weil die Liste so gut ankam, veröffentlichte die 29-Jährige bald darauf noch einen Lösungsschlüssel, damit jeder ihre Zeichensprache verstehen kann.

Ein Jahr später erschien nun ein Update: Ihr Mann habe anhand der Einkaufsliste begonnen, Gemüse im eigenen Garten zu züchten, twitterte Ms Golwalkar. Mit Beweisfotos. Und drei Küsschen für den Gatten.

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