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Times mager Lavendel

Man kann den Einsatz für die Biene nur unterstützen. Verschließen wir aber nicht die Augen vor den Leistungen anderer Wesen.

Hummel
Hummeln sind fleißige Lavendel-Ernter. Foto: imago

Alle sind eifrig mit der Rettung der Bienen beschäftigt. Zu Recht. Aber vergessen wir darüber bitte die Hummeln nicht.

Jawohl: Bienen sorgen dafür, dass sich die Welt dreht, und sie sind arg bedroht. Manche Bienenvölker versuchen, sich selbst zu retten. In Frankfurt wollte ein Schwarm vor dem Museum für Moderne Kunst ein Damenfahrrad mopsen und abhauen, war aber im Knacken des Schlosses ungeübt und hing bedeppert auf dem Sattel herum. In Köln flüchtete sich eine gelbe Gemeinschaft ins Foyer einer Bank. Da sieht man, wie groß die Verzweiflung sein muss. Liebenswürdige Helfer hoben die ganze Summe ab und brachten sie in Sicherheit.

Jawohl: Parasiten und Lebensraumverlust treiben unsere armen Bienen zu solcherlei Eskapaden. In der Stadt hat daher ca. jedes zweite Unternehmen und jeder dritte Privatmensch seine eigene Bienenzucht eröffnet, wohl wissend, dass wir alle nach vier Jahren verratzt und verloren sind, wenn es keine Immen mehr gibt, wie Albert Einstein angeblich errechnete, der große, ähm, Tierforscher.

Jawohl: Man kann den Einsatz für die Biene nur unterstützen. Verschließen wir aber nicht die Augen vor den Leistungen anderer Wesen. So reiste jüngst eine grellgrüne Fliege auf der Windschutzscheibe eines Personenkraftwagens über Hunderte Kilometer mit nach Passau. Ein anderes Individuum, gewitzter Käfer, machte es sich in den Alpen auf dem Rand einer Sonnenbrille bequem, um nach dreistündiger Wanderung abzuspringen und Servus. Frage: Finden sich diese Tiere am neuen Ort zurecht, unrasiert und fern der Heimat?

Vor allem aber: Hummeln! Wie schon gelegentlich erwähnt, ist die Hummel des Menschen beste Freundin und die Krone der Schöpfung. Wenn eine Hummel einem kleinen König der Löwen aus Versehen gegen den Hinterkopf fliegt, bittet sie höflich um Tschuldigung. Fühlt sie sich bedroht, warnt sie, statt sofort zuzustechen, deeskalierend mit dem erhobenen mittleren Fuß der jeweils bedrohten Körperseite. Hält die Belästigung an, brummt sie lauter. Das genügt meist, denn Hummeln sind riesengroß, haben ein beruhigendes und erheiterndes Wesen.

Gern nimmt man in Kauf, dass Hummeln mit ihren gigantischen Schatten den Balkon verdunkeln, während sie unseren Lavendel abernten. Um ihnen die Arbeit zu erleichtern, kann man den Finger als Brücke zwischen zwei Lavendelblüten anbieten. Dann muss die Hummel nicht für den kurzen Weg den Propeller anwerfen und krabbelt einfach rüber, wenn man Glück hat. Es gibt nichts Schöneres. Dies nur als kleiner Wink an die Person, die für die Bereitstellung von ausreichend Hummellavendel auf dem Balkon zuständig ist.

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