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Times mager Krönungsweg

Historisch ist dieser Frankfurter Weg geworden und bis heute geblieben, weil er von zu krönenden Häuptern genutzt wurde.

Öffnung Krönungsweg in Frankfurt
Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) und OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU) betrachten den Krönungsweg offenkundig als einen Konkurrenzstandort im Wahlkampf, den sie dem Gegner nicht kampflos überlassen wollen. Foto: dpa

Die eine lange Zeit kürzeste Strecke, die sich aus der Verbindung zwischen dem Frankfurter Römer und dem Dom ergab, war der Krönungsweg. Soeben erst war er es, der Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann eine Inaugenscheinnahme der Frankfurter Altstadt erlaubte, lächelnd. Beim Fototermin an seiner Seite, an der des SPD-Oberbürgerkandidaten, die CDU-Konkurrentin, Bernadette Weyland, lächelnd. Beide wollten den Krönungsweg dem Gegenkandidaten nicht kampflos überlassen. Sie betrachteten den Krönungsweg als einen Konkurrenzstandort in einem Wahlkampf, der streckenweise so sagenhafte Episoden schreibt, dass er in Frankfurt Geschichte schreiben wird, ganz bestimmt.

Historisch ist dieser Weg dadurch geworden und bis heute geblieben, dass er von zu krönenden Häuptern systematisch genutzt wurde. Es geschah dies in Frankfurt seit der frühen Neuzeit immer wieder. Denn in der Stadt, einem Wahlort der deutschen Könige, schritten die Gekrönten im Anschluss an die Zeremonie im Kaiserdom von der Kirche zum Römer, ein klein wenig ging’s dabei hinab. Wenn diese Tradition abriss, dann wegen des Ablebens des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Frankfurt, alte Kaiserstadt. Man seufzt das nicht mehr, man beansprucht diesen Titel nicht wirklich. Man möchte den Titel nicht rekonstruieren. Rekonstruktion soll sich auf eine Etappe innerhalb der Altstadt beschränken, eine Wegstrecke. Allerdings kaum ein Mensch, der sie noch mit bloßem Auge wiedererkannt hätte, da sie für den Termin, an dem der amtierende Oberbürgermeister und seine Herausforderin aufeinandertrafen, mit Sperrholzplatten abgedeckt war. Krönungsweg? Kein roter Teppich, kein Spalier, keine rosigen Blütenblätter, ausgestreut aus Jungmädchenhänden. Gab’s das je?

Nun Flugblätter aus geröteten Wahlkampfhelferhänden, denn es war zwei Wochen vor der OB-Wahl in Frankfurt unangenehm kalt. Der Krönungsweg, von dem sich viele Menschen so etwas wie einen Königsweg in eine schönere, unbedingt sepiafarben getönte Frankfurter Zukunft vorstellen, wurde rund acht Monate vor seiner wirklichen Eröffnung zum Wahlkampfmeilenstein. Instrumentalisierung? Rund 900 Augenzeugen konnten dem zusehen, ohne es so ungemein trivial empfinden zu müssen – die Vorbesichtigung (Preview) zu einer Altstadtattrappe als Einweihung einer Altstadtetappe als Entweihung zu Wahlkampfzwecken. Soweit die Geschichte.

Und die Zukunft? Zur überragenden Bedeutung des Krönungsweges wird zählen, dass man sich ihn mit täglich tausenden Menschen aus aller Welt wird teilen müssen. Nicht jede Zukunftsaussicht ist eine auch ansehnliche Vision.

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