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Times mager Krks

Die Frau von heute könnte demnächst zu „Ladies’ Crisps“ greifen.

Mädchen
Still soll sie sein. Foto: rtr

Es ist rund 570 Jahre her, dass der Geistliche John Mirk in einer Homilien-Sammlung schrieb: „Es ist ein altes englisches Sprichwort: Ein Mädchen sollte gesehen werden, aber nicht gehört.“ Daraus wurde zwar „Kinder sollten gesehen, aber nicht gehört werden“ (children should be seen not heard), aber nicht nur die Briten fanden stets und finden bis heute: „boys will be boys“, Jungen sind nun einmal so. So? Wild, ungezogen, laut. Vor allem laut – und auch nicht leise zu kriegen, wenn man sie zur Ordnung ruft. Wer rotzt und spuckt in der Öffentlichkeit und auf dem Spielfeld, als mache Rotzen und Spucken den ganzen Kerl? Eben.

Rund 570 Jahre nach John Mirk ist in diesen Tagen die Firma Frito-Lay mit der Ankündigung einer neuen Sorte Doritos an die Öffentlichkeit gegangen. Und man kann sagen: Frito-Lay hätte sich damit besser weder sehen noch hören lassen. Es könnte durchaus sein, dass der Ankündigung nun keine Supermarktregal-Taten folgen, denn die „Ladies’ Crisps“ (Arbeitstitel) stießen bisher nicht gerade auf die Begeisterung jenes Teils der Menschheit, der sie kaufen soll.

Sie würden sich aber für den Kinoverkauf eignen: Die Maischips-Versprechen lauten nämlich: Die „Ladies’ Crisps“ geben erstens keinen Pieps oder vielmehr Krks von sich, wenn zierliche Frauenzähne sie zermalmen. Kein ungehöriges Knurpseln, Knacken, Krachen, Knirschen. Sie beschmutzen zweitens die zarten Frauenfinger nicht – oder jedenfalls nicht so, dass selbige von der schüchternen kleinen Frau zuguterletzt gar abgeschleckt werden müssen. Sauber und lautlos, so wünscht sich Frito-Lay (übrigens eine Tochtergesellschaft von PepsiCo) die Frau von heute, auch wenn sie Doritos isst (künftig wohl in der Sorte „Extraweich“, Werbespruch: Keiner merkt, dass Sie etwas zu sich nehmen).

Die Maischips für die Frau sollen außerdem in einer Packungsgröße kommen, die gut in die Handtasche passt. Zusätzlich zum Tampon, Lipgloss, Lippenstift, Augenbrauenstift, Rouge, Puderdöschen, zur Slipeinlage, Nylonstrumpfhose zum Wechseln und dem Pfefferspray, letzteres etwa für den Moment, in dem ein Mann aus dem mädchen- und mäuschenhaften Geknurpsel falsche Schlüsse zieht.

Ebenfalls in diesen Tagen, in denen Frauen ein schlapper Chips schmackhaft gemacht werden sollte, tat Tesla-Chef Elon Musk etwas total Männliches: Er schickte eine Rakete mit einem – mit seinem! – roten Tesla Roadster in den Himmel, und als die Rakete sich öffnete und den roten Tesla ausstieß, dröhnte David Bowies „Space Oddity“ aus den Boxen. Eine Schelmin, die dabei an irgendetwas denkt, woran es Musk fehlen könnte.

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