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Times mager Kreis

Ein Universitätskurs, um glücklicher zu werden? Wer würde sich dafür nicht anmelden wollen.

Yale University
Hach, die Studierenden in Yale haben's gut - ihnen bringt man nämlich bei, wie sie ein glückliches Leben führen können. Foto: rtr

Ein heillos überlaufener Kurs an der Universität von Yale, liest man, bringt den Studierenden bei, wie man ein glückliches Leben führt. In einem in der 316-jährigen Yale-Geschichte beispiellosen Ansturm auf das zweimal in der Woche stattfindende Seminar „Psychologie und das gute Leben“ sollen sich, berichtete die „New York Times“, 1200 Personen angemeldet haben. Es wäre jetzt müßig zu fragen, ob ein Studium dermaßen unglücklich macht, ob Studierende an amerikanischen Eliteuniversitäten Pimpernellen und Schlappheimer sind und ob der Lehrplan zu lasch ist. Denn selbstverständlich würde man auch selbst sofort ein solches Seminar belegen und dafür ohne mit der Wimper zu zucken auf „Mittelalterliches Latein in Benediktinerklöstern nördlich der Alpen“ verzichten.

Noch attraktiver ist, dass die Hauptfigur in der Serie „Bad Banks“ praktisch keinen Schlaf zu benötigen scheint. Es ist sicher ein Nachteil, dass sie dafür unangemessene Mengen an Pharmaka sowie zu Recht verbotenen Substanzen einnimmt und permanent kleine Weinkrämpfe unterdrückt oder auch nicht unterdrückt. Aber Menschen, die sich temporär ein wenig unter Druck fühlen und die eben aufgrund ihrer Lebenssituation keine Möglichkeit und vor allem offensichtlich keine Zeit haben, ein glücklich machendes Seminar in Yale zu belegen, sehen darin womöglich zu verkraftende Nachteile.

Die Wohnung der Hauptfigur liegt nicht nur in einem spektakulären Frankfurter Wohnwolkenkratzer, an dem unsereiner gelegentlich vorüberkriecht (dieses verdammte Entlangkriechen an den Wolkenkratzern gehört zu den Dingen, die aus der Luft betrachtet überhaupt nicht auffallen). Die Wohnung ist auch stets aufgeräumt und picobello sauber. Das Argument, eine vorübergehend kaum benutzte Wohnung sei von Natur aus aufgeräumt und picobello sauber, ist nicht stichhaltig, wie jeder weiß, der eine Wohnung vorübergehend kaum benutzt.

Am eindrucksvollsten ist, dass die Hauptfigur in „Bad Banks“, die ständig in zwei, drei Tagen Dinge bewältigen muss, für die andere zwei, drei Wochen benötigen – sofern sie verstehen, was die Handlungsanweisung ist –, zwischendurch noch tanzen geht. Neidisch schalten die anderen da den Computer an und fangen an, über einen ersten Satz nachzudenken. Zur Anregung lesen sie einen Text über das Glücksseminar in Yale. Manchmal dreht sich das Leben im Kreis. Ist aber nicht so schlimm.

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