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Times Mager Keine Verantwortung für Heimatvertriebene

Ist der Heimatflüchtling beim Heimatministerium auf einer falschen Fährte?

Kinder der Bürgerkriegsflüchtlinge
In der Kindheit ist die Heimat besonders prägend - Kinder der Bürgerkriegsflüchtlinge müssen sie hinter sich lassen. Foto: Reuters

Es ist gewiss nicht gang und gäbe, ein Glückskind zu sein, sich während der Kindheit also ganz gut aufgehoben zu fühlen – womöglich in einem Zustand, den man Heimat nennen könnte. Aufgehoben in etwas, was nicht eingezäunt sein musste, um etwas Eingehegtes zu sein.
Gelegentlich ist bei der Heimat auch an ein Gefäß gedacht worden. Die Wirkung daraufhin war nicht unbeträchtlich. Zur Heimatbilanz zählte die Vorstellung von einem Gefäß, aus dem man Kraft tanken könne, von einem richtig stillen Gefäß, in dessen bärenruhiger Flüssigkeit man sich spiegeln könne. Heimat und Gral – eine geheimnisvolle Kombi.

Nicht alltäglich, wenn man den Glauben an ein Glücksgefäß sich bewahren kann. Doch auch von Kindern mit einer sehr unglücklichen Kindheit weiß man, dass ihnen die Heimat Zeit ihres Lebens auf den Fersen geblieben ist, die Heimat von Kriegskindern. In einigen Jahren bereits wird man wohl ein wenig mehr wissen, wie der Heimatverlust zu verschmerzen ist, den die Kinder unter den Bürgerkriegsflüchtlingen mit ins Land bringen. Wie den Kindern zumute war? Und inwieweit ihnen dabei, in ihrer Not und bei ihrer Trauer, ein im Frühjahr 2018 ins Leben gerufenes Heimatministerium des Bundes einen Halt geben konnte?

Großes Fragezeichen. Oder sitzen die Heimatflüchtlinge bei dem Heimatministerium einem Missverständnis auf, betreffs Zuständigkeit auch für sie. Anstelle von Zuständigkeit, keine Verantwortung für Heimatvertriebene. Eine andere Tür, ein anderer Heimatschalter. Ist der Heimatflüchtling beim Heimatministerium auf einer falschen Fährte? Ein Gespräch über Heimat, kaum angefangen, stürzt ohne weiteres in Verlegenheit oder eine große Verwirrung. Gehört zum Alltag, was das Heimatgespräch betrifft.

Zurück zum Gefäß. Die Kindheit, hat der Romancier Heimito von Doderer gesagt, werde jedem über den Kopf gestülpt wie ein Eimer. Das ist ein Satz von erheblicher Tragweite, ein erster Satz obendrein – als Romananfang von „Ein Mord, den jeder begeht“ umso folgenschwerer. Kein Satz für Glückskinder, denn was tut ein Kind mit einem Eimer über den Kopf? Taumeln, tapern, tasten. Später erst zeige sich, was im Eimer war: „Aber ein ganzes Leben lang rinnt das an uns herunter, da mag einer die Kleider oder auch Kostüme wechseln, wie er will.“

Man könnte daraus folgern: Welches Kind ist schon ein Glückskind? Bevor diese Frage hier und heute ein für alle Male beantwortet wird (mit Name und Anschrift), könnte man allerdings auch auf den Gedanken kommen, dass es sich in der Eimerangelegenheit (im Eimer) um so etwas wie eine Heimatdefinition handelt, tragisch, aber plausibel.

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