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Times mager Kakaolache

Wo lässt sich Großfamilie Boa nieder? Natürlich, bei so viel Kindern!, auf dem Grund der Kindertagesstätte.

Boa Constrictor
Die Schlangenmutter muss ihre Kinder nun selbst hüten - in die Kita dürfen sie ja nicht. Foto: afp

Für enormes Aufhorchen sorgte in dieser Woche die Nachricht, dass eine Schar junger Würgeschlangen in einer Frankfurter Kindertagesstätte von der Feuerwehr aufgegriffen, abgeführt und vorübergehend in Gewahrsam genommen wurde. Die interessierte Öffentlichkeit hat mit dem Fall noch nicht abgeschlossen. Sie wünscht sich eine Einordnung des Geschehens.

Dies nicht nur, weil Teile der FR-Redaktion in besagter Frankfurter Kita den bedeutendsten Abschnitt ihrer Kindergarten- und Hortkarriere verbracht haben (fünf Jahre). Damals spielte das Vorkommen junger Würgeschlangen keine Rolle im Alltag der Kindergartenkinder. Die größte Gefahr bestand darin, beim Toben in einer Kakaolache auszurutschen, gegen die Tischkante zu knallen und noch 48 Jahre später eine Narbe am Kinn zu tragen, weil die Arztpraxis schon Feierabend hatte und man um eine notfallmäßige Sofortnaht der klaffenden Wunde herumkam.

Kakaolache klingt im Übrigen exotisch genug, um den Zuzug einer, sagen wir, mexikanischen Schlangenfamilie zu erklären. Von unbarmherzigen Plantagenbesitzern und dem Drogenkartell vertrieben, schnürt die zwölfköpfige Sippe Boa constrictor traurig ihr Bündel und schlängelt los, grobe Richtung Europa, eine neue Existenz sich aufzubauen.

„Wohin sollen wir bloß robben, Pedro?“, fragt Señora Boa ihren Gatten und Vater der zehn Schlangen-Rangen. „Ich habe gelesen von dem Ort Kakaolache, Juanita, das klingt un poco nach daheim“, antwortet er und führt die Familie auf ein Schiff, wo alle eng umschlungen einschlafen.

In der neuen Heimat angekommen – genauso muss es sich zugetragen haben –, entdeckt Señora Boa, dass Kakaolache eine Kinderbetreuungseinrichtung ist. „Perfecto, Pedro!“, lobt sie. „Woher wusstest du das bloß, hombre?“ – „Na ja“, sagt Pedro geschmeichelt und unterdrückt einen leichten Würgereiz.

Tags darauf bringt die Schlangenmutter ihre zehn Kinder also in den Kindergarten. Was sonst? Alle Welt verlangt, dass sich an die örtlichen Gepflogenheiten anpasst, wer neu ankommt. Familien bringen ihre Kinder hier in die Kita. Basta. Kakaolache.

Doch kaum bemerkt dort jemand die kleinen Zugezogenen, kommt die Feuerwehr und macht einen Mordsalarm. Oh! Oh! Kleine Schlangen! Im Kindergarten!

Fazit: Noch immer geht unsere Wertegemeinschaft nicht genug auf die Bedürfnisse junger Eltern ein. Auch Schlangenmütter und -väter müssen nun mal die Familie ernähren, arbeiten gehen, einkaufen, etc. Ihre Kinder werden aber sofort aus der Kita geschmissen. Kriechen sie dann draußen ziellos nebeneinander her, heißt es wieder: Parallelgesellschaft.

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