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Times mager Käuze

Auch nicht ohne ist der Veilchenblaue Schnellwurzel … Moment, Halswurzel, äh …

Katzen in Japan
Warten auf den Kauz. Foto: rtr

Manche Tiere beeindrucken schon mit ihrem bloßen Namen jeden Fressfeind. Erwähnt sei beispielsweise der berühmte Sprengstoffhund, an den sich niemand näher heranwagt als einen Katzensprung.

Oder der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer, Repräsentant einer sogenannten Urwaldreliktart. Er hat sich eine so lange und komplizierte Bezeichnung zugelegt, dass er, während hungrige Vögel einander auf ihn aufmerksam machen wollen („schau, ein Veilchenschneller, nein, Veilchenblauer Schnellwurzel … Moment, Halswurzel, äh …“), längst davongeschnellt ist.

Auch der Kaninchenkauz, ein Amerikaner, erweist sich in dieser Hinsicht als findig, denn mitnichten setzt der etwa bierflaschengroße Vertreter der Eigentlichen Eulen etwa Kaninchen nach. Aber solange Kaninchen denken: „Ou, ein Kaninchenkauz, jetzt Hasenpanier!“, so lange kann der Vogel mit dem gelehrten Blick in Ruhe Kleinzeug jagen (Käfer, Frösche). Bitter übrigens für Käfer und Frösche, dass der Kaninchenkauz nicht Käfer- oder Froschkauz heißt. Sonst wären sie von vornherein gewarnt und nicht die Kaninchen. Vielleicht würde der Käfer- oder Froschkauz dann Kaninchen jagen. Wer weiß.

Andererseits heißt der Kaninchenkauz nicht ganz grundlos Kaninchenkauz, denn er wohnt in Bauen unter der Erde – wie ein Kaninchen. Ganz schön gewagt, mag man meinen, denn ein Vogel am Boden? Und wenn der Fuchs kommt? Ha! Dann rasselt der Kaninchenkauz wie eine Klapperschlange, und der Fuchs geht stiften. Fragt sich nur, was ist, wenn eine Klapperschlange kommt.

Hier soll es jedoch mehr um die Frage gehen, was ist, wenn eine Katze kommt, speziell im Shoreline Park bei Santa Barbara in Kalifornien. Dort litt der Bestand des Kaninchenkauzes zuletzt noch stärker als im übrigen Amerika. Tierschützer führen das vor allem darauf zurück, dass die Mitarbeiter der benachbarten Google-Firmenzentrale eine großangelegte Rettungsaktion für streunende Katzen betreiben, was ja auch irgendwie zu einer Suchmaschine passt. Man rettet unter anderem mit Futterstationen. Das hat sich unter streunenden Katzen herumgesprochen. Sie kommen nun zuhauf in den Shoreline Park. Und bei den Kaninchenkäuzen: lange Gesichter.

Seit Jahren versuchen Tierschützer, Google auf das Problem aufmerksam zu machen, aber die Internetweltherrscher verhalten sich in diesem Fall offenbar wie das Kaninchen vor der Schlange. Vielleicht hilft die Taktik, mit der die Käuze normalerweise an Mistkäfer herankommen: Sie sammeln den Kot von Säugetieren und legen ihn als Köder vor ihren Höhlen aus.

So etwas macht sich in rauen Mengen sicher auch gut vor einer Firmenzentrale.

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