Lade Inhalte...

Times mager Käschel

Was trägt man heute im Büro? Und kommt man dabei auch in die Puschen? Die FR-Redaktion diskutiert.

Puschen
Kommt man am Casual Friday in Puschen ins Büro? Foto: imago

Im Wirtschaftsteil war davon die Rede, dass die deutschen Banken „nicht in die Puschen kommen“. Kollege C., zwar Feuilletonist, aber als solcher natürlich Generalist, äußerte Zweifel, ob das Wort von den „Puschen“ für das Geschäft mit dem Geld tatsächlich angebracht sei.

Kollege S. stimmte zu: Wenn es um die Finanzmärkte gehe, könne ganz sicher nicht die Rede sein von so etwas Gemütlichem wie „Puschen“. Jedenfalls nicht von Montag bis Donnerstag, freitags sei das etwas anderes, denn da sei Casual Friday. Käschel Freidee, betonte Kollege S., ohnehin kein Vorreiter des formellen Outfits.

Der Hinweis wurde allerdings von der Wirtschaftsredaktion als hoffnungslos überaltertes Denken entlarvt. Dieses Ressort verfügte über mehr oder weniger vertrauliche Informationen, wonach nur ein Bruchteil der Sparkassen, nämlich eine, in letzter Zeit einen „Casual Friday“ eingeführt hat. Ob das Erscheinen in Puschen inbegriffen ist, blieb unbekannt.

Vier Sparkassen, also genau viermal so viele (!), haben sich ganzwöchig für „Business Casual“ entschieden. Das sei, erklärte die Wirtschaftsredaktion der Poloshirt-Fraktion, irgendetwas ohne Krawatte (Männer) bzw. Jeans mit Sakko (Frauen). Man höre gar, dass die Sparkasse Hochschwarzwald kleine, sichtbare Tattoos erlaube, wenn auch „ohne politischen oder religiösen Hintergrund“. Vor allem aber ließ ein Sprecher aus dem Hochschwarzwald laut „Handelsblatt“ verlauten: „Sie müssen auch für das Gegenüber noch ästhetisch wirken.“

Das nun rief wieder das Feuilleton auf den Plan: Woher, fragte ein empörter Kollege, solle ein Sparkassenangestellter wissen, was auf seinen nächsten Kunden „ästhetisch wirkt“? Was sei das für ein Begriff von Ästhetik, der sich von der kalkulierten, letztlich geschäftlichen Wirkung her definiere statt von der inneren Haltung des Künstlers bzw. Sparkassenangestellten?

Die Wirtschaftsredaktion konterte zusammenhanglos mit den Worten einer Dresscode-Beraterin: „Kleidung am Arbeitsplatz muss generell ausstrahlen: ,Ich bin hier, um aktiv zum Unternehmenserfolg beizutragen.‘ Zu legere Kleidung wirkt gegenteilig.“

Die Kollegen vom Sport, obwohl ausschließlich anwesend, um zum Unternehmenserfolg beizutragen, begannen unangemessen verlegen an ihren Polo-shirts zu nesteln. Erst das Auftauchen des Chefredakteurs trug erkennbar zu ihrer Beruhigung bei.

Ein Kollege aus der Wirtschaft las noch aus seinen geheimen Unterlagen vor: „7 Sparkassen haben das Thema ,Casual‘ auf Beobachtung bzw. Wiedervorlage.“ Sie sollten das Thema mal pushen, sagte er, sonst kämen sie nie in die ... „Nein, bitte nicht“, intervenierte Kollege C., der Feuilletonist.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen