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Times mager Jubi

Kennen Sie den Unterschied zwischen Jubiläums-Aquavit und Linie-Aquavit? Nein? Dann wird es aber Zeit.

Kümmel
Ob Jubiläum oder Linie - Kümmel braucht’s für einen Aquavit. Foto: Imago

Viele Menschen fragen sich ununterbrochen: Wieso heißt es eigentlich „Jubiläum-Aquavit“, kurz: „Jubi“? Einverstanden, manche Menschen fragen sich das. Gelegentlich. Aber Menschen, die sich einem Team zugehörig fühlen, das regelmäßig kurze Betrachtungen über das Leben verfasst und dabei auch durchaus bereit ist, auf Jubiläen als Anlass zurückzugreifen – diese Menschen sind eventuell noch ein wenig interessierter an der Antwort.

Vor allem, wenn sie sich in ihrer Freizeit gern im Norden aufhalten. Dort kommt es nach einem stattlichen Abendessen mitunter zu einem angeblich verdauungsfördernden Getränk, sei es ein Korn, ein Küstennebel oder eben ein Köm (= Kümmel), interessanterweise alles mit K am Anfang. Vielleicht lässt sich dieser Rachenverschlusslaut nach einem stattlichen Abendessen am leichtesten aussprechen.

Kümmel ist das Gewürz, nach dem ein Aquavit zu schmecken hat (Gesetz). So weit, so nachvollziehbar. Warum aber gibt es nun einen „Linie-Aquavit“ und einen „Jubiläums-Aquavit“? Der Frankfurter Rundschau ist es gelungen, dieses Rätsel mit modernsten Recherchemethoden zu lösen (Google). Es verhält sich so, dass Isidor Henius anno 1846 im dänischen Aalborg, kann aber auch sein, dass es damals schwedisch war, da oben blickte ja zeitweise keiner mehr durch, einen gewissen „Aalborg Taffel Akvavit“ in den Handel brachte. 100 Jahre später feierten die Kollegen das Ereignis mit einem „Aalborg Jubilæums Akvavit“. Er sollte eigentlich nur im Jubilæumsjahr ausgeschenkt werden, schmeckte aber den Gæsten so gut, und auf einem Bein kann man næmlich nicht torkeln. Oder auf einer Græte.

Aquavit kommt übrigens von lateinisch aqua vitae, Wasser des Lebens. Und „Linie-Aquavit“? Hat eine 19-wöchige Seereise im Fass hinter sich und dabei zwei Mal den Äquator gekreuzt. Das soll erstmals vor gut 200 Jahren geschehen sein, versehentlich. Wohl an Bord vergessen. Schmeckte aber so gut. In seiner Heimat Norwegen trinkt man den „Linie“ bei Zimmertemperatur. In Deutschland kühlt man ihn im Eisfach und gießt ihn in ebenfalls eisgekühlte Gläser. Kalte Getränke – ohnehin ein spannendes Thema im Klimawandel, gerade was die Weintemperatur angeht. Manche Restaurants gehen schon dazu über, Weißwein mit Eiswürfeln zu servieren. Selbst gewisse Winzer schrecken nicht davor zurück, Rotwein (Rotwein!) im Kühlschrank aufzubewahren mit dem Argument, die Kundschaft bestehe darauf. Das ist das Ende, schöner Freund, das Ende.

„Linie“ lässt sich nach dem dritten Glas nicht mehr so leicht aussprechen wie „Jubi“ oder „Köm“. Aber den Norwegern machst du so schnell nichts vor.

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