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Times Mager Irritationen

Es tropft einem ein Tropfen auf den Kopf, auf die Schulter und noch einer auf den Kopf. Irres Gefühl. Das muss dieser Regen sein.

Regen in München
Tatsächlich, es regnet. Foto: dpa

Das Wochenende in einer irritierten Stadt verbracht. In der Konzertpause zeigt sich, dass der Boden draußen etwas glänzt, fast könnte man auf den Gedanken kommen, dass er feucht ist. Gleich wird der Scherz gemacht, dass die Menschen früher noch wussten, woher das kommt, aber das Publikum drängt sich vorsichtshalber dennoch unter der Balustrade. Von hinten drückt es ziemlich nach. Längst es zur schönen Gewohnheit geworden, in der Konzertpause unverzüglich in den Park zu laufen und zum kleinen Getränkestand. 

Inzwischen ist es so voll unter der Balustrade, dass einige jetzt nicht gerade wie Lemminge fallen, aber doch mehr oder minder unter der Balustrade hervorpurzeln. Auch gibt es einzelne, die sich zum Getränkestand vorwagen. Der Verkäufer steht unter einem Sonnenschirmchen. Mit einigem Interesse wird verfolgt, ob der Käufer auch noch drunter passt. Geht so. Tatsächlich scheint es ein wenig zu regnen. Die Bäume halten viel ab. Aber schon tropft einem ein Tropfen auf den Kopf, auf die Schulter und noch einer auf den Kopf. Irres Gefühl. Ein Mann, der seiner Frau in die nicht zweckdienliche Großlochstrickjacke hilft, sagt: Scheißwetter. Stimmt, so hieß das.

Nach dem Konzert, keine Sorge, längst wieder alles trocken, holen die Leute ihre Einkaufstüten an der Garderobe ab. Das liegt daran, dass aus Theaterfestivalgründen ein temporärer Lebensmittelmarkt im Foyer des Staatstheaters nebenan aufgebaut worden ist. Vor dem Konzert herrscht dort Andrang. Aber auch einem selbst kommt das alles interessant vor, die echten Lebensmittelmarktbanderolen, Lebensmittelmarkteröffnungsluftballons und sonstigen Gimmicks zwischen dem echten Neorokoko. Natürlich liegt das daran, dass auch alles wirklich echt ist.

Trotzdem ist es imposant nachgemacht. Die Leute verhalten sich insgesamt, als hätten sie noch nie einen Lebensmittelmarkt gesehen. Aber sie kaufen etwas ein, wenn sie nun schon hier sind. Da sich die unbestechliche Begleitung hingegen wie sonst auch im Lebensmittelmarkt sofort langweilt, kann man die Kaffeebar, die sich im Rundlauf für die Ränge oben zu befinden scheint, bedauerlicherweise nicht ausprobieren. Immer dasselbe.

Der dritte Unruhefaktor des Wochenendes ist ein ausführlicher Zeitungsbericht über den Vormarsch des Waschbären auf hiesiges Stadtgebiet. Wie lachten noch die meisten hier herzlich, als er im fernen Kassel aus den Kaminen schaute. Goldig. Die Jägerschaft fordere eine politische Entscheidung, steht jetzt in der Schlagzeile, während auf der Leserbriefseite noch das Thema Nilgänse hin und her wogt. Diesmal wieder mit einem flammenden Plädoyer für Enten. Stimmt, früher schwammen  Enten in den gut gefüllten Teichen der Stadt. 

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