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Times mager Im unbewussten Wissen nach Matthäus

Lothar Matthäus hat im Bezahlfernsehen etwas demonstriert, das auch Christian Lindner nutzen könnte: eine seelentiefe Form des unbewussten Wissens.

Deutscher Sportpresseball 2015 in Frankfurt
„Im Unterbewusstsein weiß man natürlich, man ist weiter“: Mit dieser Feststellung hat Lothar Matthäus sein hohes Maß an Weisheit demonstriert. Foto: dpa

Man kann einen Franken nicht einfach für doof erklären, nur weil er kein hardes D aussprechen kann. Für Lothar Matthäus spricht außerdem, dass er offensichtlich als weltweit einziger Mensch auch beim Reden die Technik der Zirkularatmung beherrscht. Diese Technik, die „von Naturvölkern weltweit eingesetzt wird“ (Wikipedia), dient in der Regel zur unterbrechungsfreien Betätigung von Blasinstrumenten. Sie besteht darin, dass man neue Luft holt, ohne abzusetzen, während man die bereits eingeatmete Luft noch verbläst. Aber nur Lothar Matthäus beherrscht das auch beim Sprechen.

Am Mittwochabend sollte der sympathische Franke im Bezahlfernsehen die erste Halbzeit des Fußballspiels RSC Anderlecht gegen Bayern München kommentieren. Vor allem wollte die Bezahlfernsehdame wissen, warum München, das bereits für die nächste Runde qualifiziert war, so grottenschlecht spielte, und Matthäus präsentierte, ohne Luft zu holen, eine sehr schöne Antwort: „Im Unterbewusstsein weiß man natürlich, man ist weiter.“

Na toll, werden Sie jetzt sagen, so ein Unsinn: Unterbewusstsein ist Unterbewusstsein und Wissen ist Wissen. Seit wann kann man im Unterbewusstsein etwas wissen? So geht es nicht.
Da haben Sie sich geschnitten. Es ist vielmehr so, dass Matthäus damit sein hohes Maß an Weisheit demonstriert hat, ja, es scheint erwiesen: Nicht nur stille Wasser sind tief, sondern auch Wasserfälle bzw. Leute, die so reden, als wären sie einer.

Natürlich meinte der Schütze des entscheidenden 1:0 gegen Marokko am 17. Juni 1986 in Monterrey (87. Minute!) mit seiner Äußerung etwas ganz anderes als das, was Sie mit Ihrer oberflächlichen Betrachtungsweise für „Wissen“ halten. Es ging um ein tiefes, in die Seele eingegrabenes und damit unbewusstes Wissen um die Vorbestimmtheit eines günstigen oder weniger günstigen Schicksals, hier: günstig, weil bereits fürs Achtelfinale qualifiziert.

Nun muss zugegeben werden, dass es dieser seelentiefen Form des unbewussten Wissens im vorliegenden Fall nicht unbedingt bedurft hätte, denn über das Erreichen des Achtelfinals durch die Bayern war öffentlich ausführlich berichtet worden, so dass bewusstes Wissen über die Situation durchaus hätte vorliegen können. Aber Irrtum! Fußballer verfügen über die Fähigkeit, zumindest bei Bedarf ohne bewusstes Wissen durch die Welt zu gehen. Wenn sie trotz bereits erfolgter Qualifikation gut spielen wollen, sagen sie: „Das blenden wir aus.“ Und wo landet es? Richtig: Im unbewussten Wissen nach Matthäus.

Der Franke hat damit übrigens ein sehr weites Feld eröffnet. Stellen Sie sich nur mal Christian Lindner als ehrlichen Menschen vor, wie er die Sondierungsgespräche Revue passieren lässt: „Im Unterbewusstsein weiß man natürlich, man wird sie platzen lassen.“ Wer könnte ihm das zum Vorwurf machen?

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