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Times mager Im Schlaf

Die spinnen, die Erdlinge, erst recht in den Uneinigen Staaten von Amerika.

Kostümparty
Außerirdische Erkenntnisse: Erdlinge gruseln sich gerne, sind noch lieber reich und haben Angst vor orangefarbenen Männern. Foto: imago

Wir schreiben das Jahr 2018, bald ist Herbst, bald Weihnachten, und die Bürgerinnen und Bürger der Uneinigen Staaten von Amerika beschäftigt: erstens ein großes weißes Haus und seine originellen Bewohner (besonders ein Bewohner darin, den die anderen Bewohner nicht so sehr mögen, aber er soll es auf keinen Fall merken), zweitens verrückte reiche Asiaten, drittens verrückte superreiche Asiaten, viertens verrückte stinkreiche Asiaten (es handelt sich um eine Trilogie), fünftens eine neue Diät. Dies alles jedenfalls, wenn man nach den Bücher-Bestseller-Listen geht.

Was für ein Bild werden sich also außerirdische Archäologen dereinst von dem weiten Land und seinen Einwohnern machen?

Erstens, dass Erdlinge sich gerne gruseln und darum von einem orangefarbenen Mann mal das Blaue, oder eher: Schwarzbraune vom Himmel erzählen ließen. Und dass die, die fanden, der orangefarbene Mann erzähle doch des Schwarzbraunen, Neidgrünen, Zornroten zu viel, nach Gegen-Grusel – einem Bannspruch? – suchten, ihn in Buchform und erstaunlichen Mengen fanden, zum Beispiel als „Angst“, „Feuer und Wut“ sowie „Durchgeknalltheit“.

Zweitens, dass Erdlinge gerne furchtbar reich wären. Und wenn das schon nicht möglich ist, möchten sie Geschichten über andere Erdlinge lesen, die furchtbar reich sind und darum lauter Unsinn treiben (sie würden es, falls Millionär, besser machen, glauben die nicht-so-reichen Erdlinge). Wenigstens ein weiterer Erdling – der, der sich die Geschichten ausgedacht hat – wird nun furchtbar reich werden.

Drittens, dass Erdlinge gleich nach der Angst vor dem orangefarbenen Mann von der Angst geplagt werden, das Falsche zu sich zu nehmen. Also das, was sie dick und hässlich macht (in den Augen kleiner grüner Männchen sind aber vermutlich alle Homo sapiens dick und hässlich). Deswegen denken sie sich im Wochenrhythmus eine neue Diät aus und kaufen Bücher darüber. Deren Ratschläge befolgen sie zwei Stunden (die Realisten: nützt ja eh nichts) bis maximal zwei Wochen (die Träumer: die Hose geht doch schon viel besser zu). Spätestens dann stellen sie „Die Ketogene Diät“ ins Küchenregal neben die Atkins-, Glyx-, Gluten-, neben die Paleo- und Apfelessig-, Schlank-im-Schlaf-Diät (auf dem Nachtkästchen liegt: Reich im Schlaf).

Aber wenn die Erdlinge Glück haben, sind sie beim Ausprobieren aller Diäten so dünn geworden, dass es sie beim nächsten Duschen durch den Abfluss davonträgt in eine Welt, in der kleine grüne Männchen ihnen das Rosarote vom Himmel erzählen, kalorienfreie Schokoladenbäche fließen, und der orangefarbene Mann ausgewandert ist nach Nordkorea, wo man ihn wenigstens noch mag.

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