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Times mager Im Schlaf

Krähen, unbegabte Sänger, Schlaf, Politiker und Journalisten haben eins gemeinsam: ein schlechtes Image. Das ist nicht immer verdient.

Krähe
Krähen, Menschen, die nicht singen können, es aber trotzdem tun, Schlaf, Politiker und Journalisten haben eins gemeinsam: Sie haben ein schlechtes Image - jedoch nicht immer verdient. Foto: imago

Menschen, die nicht singen können, aber trotzdem singen, Krähen, Schlaf, Politiker und Journalisten verbindet aktuell ein Problem: sie haben ein schlechtes Image und das ist jedenfalls nicht durchweg verdient. Im Fall des Kanadiers etwa, der in seinem Auto so laut „Everybody Dance Now“ von C+C Music Factory sang (sagt er) beziehungsweise schrie (sagen die Polizeibeamten, die ihn stoppten), stand immerhin Aussage gegen Aussage. 149 kanadische Dollar musste Taoufik Moalla wegen „Schreiens in der Öffentlichkeit“ zahlen; seine Frau gab an, sie hätte 300 verlangt. 

Grundlos diskriminiert werden auch Krähen. Die hochintelligenten Vögel brauchen angeblich nur eines: ein besseres Image. Das sei seit Jahrhunderten von Märchen, Fabeln, dummem Aberglauben ruiniert worden, schreibt eine Krähenforscherin und mahnt, die Vögel nicht länger zu dämonisieren. Aber ist es eigentlich undenkbar, dass eine diabolisch keckernde Krähe regelmäßig am frühen Morgen ins Schlafzimmer des US-Präsidenten fliegt und pickend sein Handy bedient? (So dass Donald Trump ganz unverdient das total glanzvollste aller Politiker-Images hat. Und das quasi im Schlaf.) 

Und so leiten wir geschickt über zu: „Das schlechte Image des Schlafs in unserer Leistungsgesellschaft bereitet Medizinern Sorgen“, meldete just die Nachrichtenagentur dpa. Es wird Professor Randerath zitiert, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin: „Wenn wir wenig schlafen, fühlen wir uns als Helden“.

Wenig schlafen gelte als chic, sei aber gesundheitsgefährdend. Das führt zur Frage, die im Internet mit nötigem Ernst diskutiert wird: Schlafen Krähen und wenn ja, wo und wie lange? Ein Exemplar fange „um 5:00 Uhr vor meinem Fenster an zu schreien und krähen und das ist dermaßen laut das ich nicht mehr schlafen kann“, schreibt spunkystefan im Netz. Und erhält die Antwort: „Steh um 1/2 5 auf, dann schläfst du nicht mehr wenn die Raben um 5 Uhr anfangen zu schreien.“ Leuchtet ein. 

Kommen wir also noch zur für diese Glosse umfangreich (!) und unermüdlich (!) recherchierenden Journalistin. Die sich bestens (von wegen Journalisten und nur Halbwissen!) auskennt in Sachen unverdient schlechter Ruf. Diesen haben Journalisten erworben wie die Krähen, via Märchen, Fabeln, dummem Aberglauben. Als da z. B. ist, dass sie saufen, rauchen, lang schlafen, im Theater sitzen, dort weiterschlafen, hinterher mit dem Kollegen von der Konkurrenzzeitung absprechen, was man so in die Kritik schreibt. Aber, und das ist kein Märchen, Journalisten und Krokodile haben beim Schlafen immer ein Auge offen. 

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