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Times mager Im Notfall

Stellen Sie sich vor, Sie sind unterwegs und der Akku Ihres Smartphones gibt seinen Geist auf. Was tun?

Smartphone
Was tun, wenn der Akku des Smartphones plötzlich den Geist aufgibt? Foto: Imago

Stellen Sie sich vor: Sie sind draußen (das erkennen Sie daran, dass es keine Steckdosen gibt und hier und da grüne Dinge in der Gegend rumstehen, die – haben Sie keine Angst, die Probe zu machen – nicht aus Kunststoff sind), sie sind also draußen und der Akku Ihres Smartphones gibt auf. Bitte bewahren Sie Ruhe, atmen Sie langsam und bewusst ein und aus, ein und aus. Lösen Sie nun Ihre Augen vom dunklen Bildschirm und versuchen Sie zunächst, sich zu orientieren. Vermutlich werden Sie andere Menschen sehen, vermutlich werden diese Menschen auf ihr Handy starren und Sie werden sich unbehaglich fühlen, so allein in der Welt, aber fahren Sie einfach mit dem fort, was Sie sonst auch tun würden – nur, dass Sie eben nicht zwei Dinge gleichzeitig machen (Whatsapp bedienen, in die S-Bahn steigen), sondern nur noch eine Sache (in die S-Bahn steigen). Das wird Ihnen zunächst seltsam vorkommen, aber denken Sie immer daran: Generationen vor Ihnen haben ein Leben ohne Smartphone gemeistert. Und wenn Sie Glück haben, erreichen Sie in absehbarer Zeit eine Stromquelle.

Im Folgenden ein paar Vorschläge, wie Sie die Zeit bis dahin gestalten können.

Erstens: aus dem Fenster schauen. Selbst moderne Nahverkehrszüge verfügen noch über Fenster für genau solche Fälle. Meist ist es nur nötig, den Kopf sowohl zu heben als auch ein wenig zu drehen. Dadurch lässt sich unter anderem feststellen, welche Jahreszeit und was für ein Wetter ist.

Auch interessant: Wer sitzt Ihnen gegenüber. Das Times mager wurde kürzlich Zeuge eines fantastischen Wiedersehens, nachdem zwei junge Frauen sich etwa zwanzig Minuten emsig tippend gegenübersaßen, dann eine den Blick hob und – Bingo. Hey, sagte sie, Jeanette, was machst du denn da? Lange nicht gesehen! Leider war die eine schon angekommen und musste aussteigen. Und so beschlossen sie noch schnell, sich bald mal eine Nachricht zu schicken.

Die Person oder die Personen gegenüber müssen Ihnen aber nicht bekannt sein, Sie können dennoch eine Kontaktaufnahme versuchen. Zum Üben eignen sich Kinder im Vor-Smartphone-Alter. Man nimmt Blickkontakt mit ihnen auf und – Bingo. In der Regel werden sie nicht nur zurückgucken, sondern auch noch lächeln. Das mag kein hundertprozentiger Ersatz für die süßen Katzenbilder sein, die es im Internet gibt, aber es ist doch besser als ein dunkler Bildschirm.

Nach dieser Vorbereitung können Sie es beim Aussteigen wagen, den Kopf in den Nacken zu legen und in den Himmel zu schauen. Dort flitzt vielleicht eine Schwalbe, die trotz Insektenmangels noch nicht verhungert ist, oder surrt eine Drohne, die Ihr Abenteuer live überträgt. Sie werden Millionen Klicks erhalten.

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