Lade Inhalte...

Times mager Hybrid

Schaut, die Gewölbe zu zwei Dritteln verglast! Aus der Vergangenheit des Frankfurter Hauptbahnhofs.

Im Jahre 1888 angeblich eine der „großartigsten Schöpfungen der Neuzeit“: der Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: Peter Jülich

Wohin die Reise ging? Mit der Fertigstellung des Hauptbahnhofs im August 1888 hatten die drei Westbahnhöfe ausgedient. Wie auch immer es gesehen wurde, dass sie regelrecht ausrangiert wurden: Frankfurt feierte, und Frankfurter ließen sich von einer Zeitung sagen, dass sie Augenzeugen einer der „großartigsten Schöpfungen der Neuzeit“ waren.

Sicher, noch befand sich diese Schöpfung in den ersten Jahren nach der Eröffnung auf freiem Feld, einen halben Kilometer vor der Stadt. Es war ein Schritt hinein in den Fortschritt. Frankfurter schauten auf in drei Hallen, reckten die Hälse, das Wort von einer halsbrecherischen Konstruktion kam auf.

Frankfurts Kinder lernten, dass 3500 Tonnen Eisen verbaut worden waren. Väter, sonntags nicht nur mit einer Bahnsteigkarte in der Hand, ließen es bei dieser nackten Zahl nicht bewenden. Schaut, die Gewölbe zu zwei Dritteln verglast!

Zudem wurde das Prinzip des Kopfbahnhofs erläutert. Sehr wahrscheinlich war wortwörtlich von einem Wunder der Technik die Rede. Und wenn die Frankfurter Familie vor dem Haupteingang stand, wird das eine oder andere Frankfurter Kind gelernt haben, was es mit dem Globus auf sich hat, hoch oben, über dem Haupteingang, ausgerichtet auf die Kaiserstraße, in deren Verlängerung heute die Straßenbahnen Halt machen für rund anderthalb Minuten, so dass man zum Fenster hinaus täglich zusieht, wie der Atlas weiterhin den Globus stemmt.

Vom Standpunkt einer heutigen Straßenbahn aus mag man das für pathetisch halten, aber man muss deswegen nicht wegschauen, auch nicht, wie Atlas und Globus von zwei Statuen in die Mitte genommen werden, die Dampfkraft und Elektrizität symbolisieren. Wenn man sagt, Frankfurts Hauptbahnhof sei eine „Kathedrale der Technik“, dann hat man sich daran seit 115 Jahren gewöhnt, seitdem das Wort um 1900 in Umlauf kam für ein Bauwerk mit einer monumentalen Schaufront aus Pfälzer und Heilbronner Sandstein, im Stil der Neorenaissance.

Der Historismushintergrund war in Frankfurts Bahnhofsviertel stark von der Migration alten Stils geprägt. Ins Quartier zogen Formen der Gotik und des Barocks ein, vor allem der Renaissance. Hinter dem Historismus verbergen sich auch heute Tonnengewölbe von nicht weniger als jeweils 56 Meter Stützweite, 29 Meter hoch. Was da breit lagert, ruht auf Dreigelenk-Bogenbindern. Bei allem Historismusvordergrund ging in das Monument eine Technik ein, so dass man heute mit dem Wort Hybrid nicht falsch liegt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen