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Times mager Horst Seehofer und der Heimatverlust

Was immer aber meine Heimat ist, es lag bis gestern in Europa.Dazu gehört ursächlich das Recht auf Asyl. Wo es bedroht ist, fühle ich mich fremd.

Horst Seehofer
CSU-Politiker Horst Seehofer spricht häufig vom Heimatverlust. Foto: afp

Horst Seehofer spricht viel von Heimatverlust und in der Tat: Mit jedem Tag seiner Amtszeit fühlt man sich ein Stückchen heimatloser. Wer Heimat als ein verbindendes Wertesystem versteht, den macht das rasante Fortschreiten des Populismus in die Regierungspolitik mit jedem Tag heimatloser.

Ich bin in den siebziger und achtziger Jahren groß geworden. Heimat war für mich wie wohl für einen Großteil meiner Generation nie eine Frage von Eiche, Hirsch oder Dirndl und erst recht nicht von Nationalität, Herkunft oder gar Religion. Sie war ein ethisches und deshalb auch sentimentales Zuhause. Das Wort Heimat allerdings gehörte damals nicht zum Sprachgebrauch. Nur Edgar Reitz gab ihm mit seinen Filmen auf einmal einen anderen Klang.

Was immer aber meine Heimat ist, es lag bis gestern in Europa. Dazu gehört ursächlich das Recht auf Asyl. Wo es bedroht ist, fühle ich mich fremd. Gestern hat sich die Europäische Union darauf verständigt, irgendwo in Afrika Gefängnisse zu bauen für Männer und Frauen, Schwangere und Kinder. Wohl nicht, um es ihnen leichter zu machen, ihr Recht auf Asyl in Europa wahrzunehmen.

Er werde einen starken Staat garantieren, sagte Horst Seehofer bei seinem Amtsantritt als Innenminister. Ein starker Staat ist einer, der die Freiheitsrechte seiner Bürger achtet, denn schließlich sind sie der Souverän. Wer damit etwas anderes meint, zum Beispiel größere Befugnisse für die Polizei, der schwächt den Staat. Deshalb wirken Politiker, die von einem starken Staat schwärmen und damit ganz im Gegenteil eine starke Exekutive meinen, meist selbst so schwächlich, oftmals lächerlich. Als gründete ihre Autorität in diesem Rückhalt. Als müssten sie ohne ihn um ihr politisches Überleben bangen.

Aus Sorge um ihr politisches Überleben haben jetzt zwei deutsche Politiker die Stärke Europas, die in ihrem Wertekanon liegt, aufs Spiel gesetzt, die Anbiederung an Ungarns rechtspopulistische Regierung eingeschlossen. Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat.

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