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Times Mager Hitler in Cannes

„Ich habe lange geglaubt, jüdische Wurzeln zu haben, was ich gut gefunden hätte. Dann fand ich heraus, dass ich von deutschen Nazis abstamme, aber das ist auch okay.“ Das sagte Lars von Trier vor der Presse in Cannes. Eine beispiellose Geschmacksverirrung.

Regisseur Lars von Trier mit Schauspielerin Kirsten Dunst in Cannes (18.05.2011) Foto: rtr

"Ich sympathisiere mit Hitler“, sagte Lars von Trier vor der Presse in Cannes. „Er war nicht das, was man einen guten Kerl nennen würde. Aber ich kann ihn mir gut vorstellen, wie er da in seinem Bunker gesessen hat.“ Es war ein bizarrer Monolog, in den sich der dänische Filmemacher da vor den Ohren der Weltpresse verstrickte, nachdem eine Journalistin des Londoner Guardian die letzte Frage hatte stellen dürfen. Sie hatte den „deutschen Wurzeln“ des Regisseurs gegolten, der in seinem jüngsten Film „Melancholia“ ausgiebig die Bildwelten der deutschen Romantik zitiert. Die Filmmusik ist eine Kompilation von Instrumentalpassagen aus Wagners „Tristan und Isolde“.

Nicht nur dem britischen Medium lieferte der Regisseur dabei mehr Stoff als erhofft. Seine gezielte Provokation kursierte wenig später weltweit. „Ich habe lange geglaubt, jüdische Wurzeln zu haben, was ich gut gefunden hätte. Dann fand ich heraus, dass ich von deutschen Nazis abstamme, aber das ist auch okay.“ Von Hollywoodstar Kirsten Dunst ängstlich angestoßen, steigerte er sich nur noch weiter: „Wir Nazis mögen eben das Monumentale.“ Dann lobte er die Architektur des NS-Rüstungsministers Albert Speer („Auch nicht gerade eines von Gottes liebsten Kindern.“) und schlug einen alternativen Titel seines Wettbewerbsbeitrags vor: „Die Endlösung“.

Verstehen lässt sich diese auch für den notorischen Provokateur Lars von Trier beispiellose Geschmacksverirrung nicht, doch wer die Pressekonferenz erlebt hat, kann am ironischen Kontext nicht zweifeln. Nach der umjubelten Vorführung seines Films, tat er alles, um diesen Eindruck zu zerstören. Auch die dümmsten Fragen, wie die, ob ihm sein Film eigentlich gefalle, beantwortete er ausgiebig: „Vielleicht ist es Scheiß. Es kann gut sein, dass er es nicht wert ist, angeschaut zu werden.“ Dann behauptete er, sein nächster Film sei ein vierstündiger Porno mit Kirsten Dunst. „Sie bat darum, auf lange Dialogszenen zu verzichten und will nur viel unangenehmen Sex.“

Wer Lars von Trier an diesem Vormittag erlebte, wurde Zeuge einer beispiellosen Selbst-Demontage. Die Goldene Palme hatte er wenige Minuten zuvor fast in den Händen gehalten. Nun ist es fraglich, ob er sie für den vielleicht besten Film des Festivals bekommen wird.

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