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Times mager Hilfreicher

Besser wäre gewesen, einen funktionierenden Surfstick zu haben.

Hilfreicher
Ein USB-Stick kann manchmal hilfreich sein. Foto: Imago

Es wäre besser gewesen, sich den Satz aufzuschreiben, den man sich merken wollte, nein, das stimmt nicht, denn man hat sich den Satz ja aufgeschrieben. Es wäre also besser gewesen, sich den Satz an einer Stelle aufzuschreiben, an die man sich nachher noch erinnern kann. Allerdings wäre es dann auch besser gewesen, die üblicherweise dafür vorgesehene Stelle – ein gewisses Büchlein für Sätze, die man sich merken will – zu verwenden. Noch besser wäre es wohl gewesen, sich den Satz einfach mal zu merken, denn so schwer kann das doch nicht sein. Das wäre überhaupt das Beste gewesen, wiewohl es als ganz Erstes besser gewesen wäre, mit solchen Sätzen nichts zu tun haben zu müssen.

Der Satz entstammte nämlich jener etwas fegefeuerhaften Sphäre des Internets, in der sich jene hilfesuchend tummeln, die ihren verfluchten Surfstick nicht mehr aktivieren können (Fehler 797). Jetzt kommunizieren sie über ihr Smartphone, wursteln am Laptop herum und verweigern sich der Einsicht, dass das mit Windows 10 nichts mehr werden kann. So der leiderprobte Nutzer, der sich fabelhafterweise Limbus19 nennt. In dem verlorengegangenen Satz ging es um die Leiden des halbseiden Beraten-Seins. Versuche, den Satz in den Weiten des Raums wiederzufinden, förderten einiges zu Tage. Schauen wir kurz rein. „Es wäre besser gewesen wenn Du Dich hier erst mal informiert hättest.“ „Es wäre besser gewesen den Rechner mit angeschlossenem Stick herunterzufahren.“ „Aber Uefi installen wäre besser gewesen.“ „Als ganz erstes wäre besser gewesen ein chkdsk für die HDD durchzuführen.“ „Kontrolle wäre besser gewesen.“ „Vorm Schreiben wäre besser gewesen.“ „Verständlichkeit beherzigen leider nicht alle, bei Beiträgen 10, 12 und 14 denke ich, es wäre besser gewesen gar nichts zu schreiben.“

Man sieht leicht, dass das Komma vor dem erweiterten Infinitiv im Sterben liegt, aber aus dem Glashaus Steine zu werfen, ist mir ein zu großes Risiko.

Die Fehler-797-Affäre, die übrigens privat gesehen einen guten Ausgang nahm durch den Kauf eines neuartigen Produkts, ist eine Geschichte über Hilflosigkeit und komplizierte Versuche, diese mit anderer Menschen Unterstützung zu überwinden. Ein paar Tage später stemmten drei Straßenkünstler Passanten in die Höhe, Kinder, Erwachsene, Dünne, Dicke. Die Hochgestemmten standen am Ende auf den Händen der drei starken Männer, also quasi anderthalb Stock höher. Sie standen da ganz sicher, die Fußfesthaltetechnik der Künstler muss die ausgefeilteste sein, und sie sahen so glücklich aus, dass man sich das gar nicht vorstellen kann. Jeder neue Kraftakt war ein Riesenhallo, nie wurde es langweilig, auch wurde es nie kompliziert. Auch wer sich selbst nicht traute (was vielleicht besser gewesen wäre), ging hoffnungsfroher seiner Wege. Hilfe ist möglich.

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