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Times mager Hetzer wird frommer Hirte

Wie kommt der Hund in die Krippe? Oder gar der Politiker Salvini, der alles andere als der Heiland ist?

Matteo Salvini
In Neapels Krippenstraße San Gregorio Armeno findet eine Figur reißenden Absatz, die Italiens Innenminister Matteo Salvini nachempfunden ist. Foto: rtr

Kürzlich war auch in dieser Zeitung zu lesen, dass bei den Händlern in Neapels Krippenstraße San Gregorio Armeno eine Figur reißenden Absatz findet, die Italiens Innenminister Matteo Salvini nachempfunden ist. Was ja gleich zweifach gruselig ist. Erstens, weil Herr Salvini einer von diesen breit lächelnden und scharf hetzenden Demagogen ist, die sich seit einer Weile in den Regierungen diverser europäischer Länder tummeln. Und zweitens mag man sich nicht vorstellen, welche Aura eine Krippe umströmt, in der einer steht, der außer Hass und Abscheu so gar nichts empfindet für die Nachfahren der drei Könige aus dem Morgenland.

Und dieser Salvini verneigt sich nun also vor einem Heiland, der nicht nur den Armen und Schwachen die Hand reichte, sondern selbst jenen, die Böses im Schilde führten oder auch schon getan hatten. Da ist Salvini ganz anders, er unterstellt gern anderen Böses, um den Einsatz einer harten Hand zu rechtfertigen.

Aber wäre es nicht erst recht eine wunderbare Ironie, wenn all die kleinen Matteo-Figürchen nicht von meisterlicher Hand in einem italienischen Familienbetrieb geschnitzt würden, sondern in jenem großen Land, das noch hinter dem Morgenland liegt? Geschnitzt von jenen, die heutzutage alles gießen, nähen, stanzen und bemalen, was uns zwar lieb, aber doch ein bisschen zu teuer ist, wenn es hierzulande gegossen, genäht, gestanzt oder bemalt wurde. Ein Mini-Salvini, made in China? Das ist so abwegig nicht. Immerhin war kurz nach der Meldung über das beliebte Figürchen in der „Süddeutschen“ zu lesen, dass einer der neapolitanischen Händler Krippensets verkauft hatte, die statt eines Esels einen Hund enthielten.

Das ist jedenfalls weniger abwegig, als einen Hetzer zum frommen Hirten zu erklären. Zu großen Wirbel wollte der Händler dennoch nicht um die fehlbesetzten Krippen machen. Sich über fehlerhafte Ware aus China zu beklagen, ist angesichts darbender italienischer Krippenschnitzer nicht nur in der Vorweihnachtszeit irgendwie unchristlich.

Und, wer weiß, vielleicht war der Hund ja gar kein Versehen? Vielleicht wollte dort im fernen China eine Fabrikarbeiterin ein Zeichen setzen? Einfach Hund statt Esel eingepackt – schon sind die chinesischen Witzkrippen in aller Munde. Und dann muss auch mal wieder darüber geredet werden, dass im fernen, fernen Osten Millionen von Menschen Dinge herstellen, die wir – ob nun fehlerhaft oder nicht – so nicht bestellt haben.

Die falschen Esel könnten auch ein Versehen gewesen sein. Aber – ist es nicht auch eine schöne Vorstellung, dass da jemand auf den Hund gekommen ist? In der Hoffnung, dass wir das hier auch bald tun?

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