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Times Mager Hendricks

Jimi Hendrix wäre dieser Tage 75 Jahre alt geworden, hätte er es irgendwie gepackt. Und was stand dazu in der Rundschau? Richtig: Nichts!

Hendrix
James Marshall Hendix im Jahr seines Ablebens. Foto: imago

Nun, „das Leben ist kein bunter Teller“, wie der Fußballphilosoph Ansgar Brinkmann (*1969) zu sagen pflegt. Diese Weisheit gilt über die Genregrenzen hinweg; auch der Hauptinformant der für Beatles- und andere Musiklegenden-Jubiläen zuständigen FR-Redaktion musste das jüngst erfahren.

Der Mann hatte Erinnerungen an die (leider seit 1970 vergangene) Genialität des James Marshall Hendrix zusammengetragen und sie in den vergangenen Wochen paketweise an seine Zeitung geschickt. Am 75. Geburtstag des Gepriesenen schließlich baute er nach eigenen Angaben seine 1936er Martin-D-45-Akustikgitarre zur Linkshänder-Stratocaster um (samt Kopfplatte), pimpte sein Grundig-3045-W/3D-Röhrenradio zum Marshall-Gitarrenverstärker, schaffte sich „Hey Joe“ und „All Along the Watchtower“ (in vermutlich sehr individuellen Versionen) drauf, verschweißte vorsichtshalber den Sicherungskasten („die Nachbarn …“) und in der Rundschau: nix, aber auch gar nix.

Dabei hätte es Interessantes zu erzählen gegeben. Etwa, dass der Gitarrenkollege Eric Clapton 1968 im Interview des „Rolling Stone“ solche Sachen absonderte: „Everybody and his brother in England still sort of think that spades have big dicks. And Jimi came over and exploited that to the limit, the fucking tee. Everybody fell for it. Shit.“ Auf Deutsch gesagt: „Jeder und sein Bruder in England glauben immer noch, dass [abwertender Begriff für Schwarze] große [umgangssprachlicher Begriff für Geschlechtsteile] haben. Und Jimi kam und nutzte das bis zum Gehtnichtmehr aus, dieser [umgangssprachlicher, aus der Sexualität entlehnter Begriff für jemanden, der einen größeren [umgangssprachlicher Begriff für Geschlechtsteile] hat als man selbst]. Alle fielen darauf rein. [Ausdruck aus der Fäkalsprache]!“

So krass ging man 1968 öffentlich mit Kollegen um. Aber ist es heute besser? Heute öffnet ein deutscher Landwirtschaftsminister einem krebserregenden Bienen- und Hummelkiller den Weg durch Europa und lässt seine Kollegin im sauren Regen stehen: seine Umweltkollegin Barbara Hendricks. Das war am 27. November. Dem Geburtstag von Jimi Hendrix. Und da müssen wir sagen: Sorry, Jimi, aber der 27. November gehörte in diesem Jahr ganz klar Barbara.

Für den Gitarrenmann finden wir ein anderes Datum, vielleicht den 22. Dezember? Da spielte er vor 50 Jahren auf dem Festival „Weihnachten geht auf Erden weiter“ in London. Es ließ sich besinnlich an. Ehe Jimi Hendrix „Sgt. Pepper“ von den Beatles spielte, riet er dem Publikum: „Verstopft eure Ohren!“

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