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Times mager Heidenspaß

Luther geht auch souverän mit Gerüchten um.

Lutherstube
„Schon acht Tage sind es, dass ich nichts schreibe, weder bete noch studiere, teils durch Versuchungen des Fleisches, teils durch andere Beschwerden gequält.“ Foto: epa

Wartburg, die Lutherstube. Der Insasse ist seiner Zeit voraus. Im Juni ist es eher ruhig auf der Burg. So vergeht sogar der 17. Juni ohne besondere Vorkommnisse. Kein Gedanke an einen besonderen Tag, keiner an einen deutschen Feiertag, aber wie auch, um diese Zeit, 1521. Und hätte man im Osten des Reichs auch nur einen Gedanken an einen Tag der Deutschen Einheit verschwenden dürfen? So weit war Luther am 17. Juni seiner Zeit dann doch nicht voraus. Er schreibt am 16. Juni d. J. in seinen Laptop: „Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“ Der Tag darauf verstreicht für Luther einfach so. Weil der Laptop geschlossen bleibt?

Im Juli wird es Anfang des Monats nicht besser, wie er am 13. des Monats bekennt: „Schon acht Tage sind es, dass ich nichts schreibe, weder bete noch studiere, teils durch Versuchungen des Fleisches, teils durch andere Beschwerden gequält.“ Aber es bleibt nicht beim Nichtstun, wenn er am 15. einen Vertrauten beschwört: „Dass ein Schreiber das Gerücht aufbrachte, ich sei in (der Burg) Wartberg, lass nicht unwidersprochen.“

Ein Gerücht, mit einem Male im Reich Umlauf. Wie es so ist mit Gerüchten. Unwidersprochen kann hier auch die Sache mit dem Laptop nicht bleiben, nein, Luther sah sich zu ihm einfach nicht hingezogen. Er schrieb noch mit der Feder, und wenn ihm die Manuskripte geradezu aus der Hand gerissen wurden, dann war das nicht böse gemeint von den Buch- und Flugblattdruckern.

Wartburg/Wartberg. Auch schreibt Luther am selben Tag, am 15. Juli, an einen der treuesten der Treuen, Spalatin also, dass er Druckbogen, folglich Papier, aber auch Pillen erhalten und nicht zuletzt Stuhlgang gehabt habe. Der Zelleninsasse erwähnt auch, dass irgendein Schreiber des Herzogs Johann in Umlauf gebracht habe, er, L., sei auf der Burg Wartberg. Ist das Versteck damit aufgeflogen?

Lutherstube, der nächste Tag. Luther schickt einen Brief an den unverfälschtesten Freund unter den Freunden, Spalatin also. Es ist ein Brief, der den Feinden in die Hände gespielt werden soll. Kaum zu glauben, was Luther da schreibt, aber darin steht nun mal: „Ich höre, es wird ein Gerücht ausgestreut, der Luther sei in der Burg Wartberg bei Eisenach.“

Wer dies für einen Witz (oder einen Fake) hält, der kennt den Luther nicht. Er ist nicht nur ein Gerücht. Und das Gerücht, ein Ketzer zu sein, bringt ihn nicht nur in Lebensgefahr. Nein, wer ein Luther ist, der spielt auch mit Gerüchten und hat daran seinen Heidenspaß.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Martin Luther

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