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Times mager Gute Vorsätze

Na gut, ich werde mir einen Vorsatz ausdenken, damit du zufrieden bist. Ich lege ihn in die Cloud, das macht man heute so.

Wurstwaren
Darf's noch eine Scheibe Digital Detox sein? Foto: Imago

Der Mensch, der sich in diesem Jahr entschlossen hat, es einmal ganz ohne gute Vorsätze zu versuchen, trägt es ja nicht als Schild oder Schrift auf dem Shirt vor sich her („2019: keine guten Vorsätze!“) und wird darum dann doch gefragt, von jemandem, der ihm durchaus nahesteht: Nun, was hast du dir dieses Jahr vorgenommen? Darf ich’s erfahren, oder willst du es für dich behalten (dies mit ironischem Unterton)? Und ehe der Mensch noch antworten kann, bekommt er (immer noch mit ironischem Unterton) eine Auswahl der gängigen/wegen Ausverkaufs im Januar herabgesetzten Vorsätze angeboten wie Ware in der Wursttheke des Supermarkts: mehr Sport treiben, weniger Süßes essen. Mehr lesen, weniger fernsehen. Mehr Tee trinken, weniger Alkohol trinken. Mehr Blumen auf dem Balkon pflanzen, weniger bügeln. Weniger bügeln? Ist bügeln etwa ungesund?

Allemal liegt da in der Wursttheke noch und ist 2019 das Vorsatz-Minimum (auch die Grünen sind dabei): eine Handy-, besser eine generelle Digital Detox. Schwer angesagt, die DD, gilt doch die digitale Abhängigkeit mittlerweile als problematischer als Zigaretten/Alkohol/Haschkekse/Gummibärchen.

Der feste Vorsatz, sich nichts vorzunehmen

Schon gar nicht will der Mensch sich freilich etwas vornehmen, was alle machen. Der Mensch sagt also: Ich habe den festen Vorsatz, mir 2019 nichts vorzunehmen. Ja, mir noch nicht einmal zu überlegen, was ich mir vornehmen könnte, täte ich mir etwas vornehmen wollen. Was ich aber, wie gesagt, nicht will.

Hältst du das durch?, wird er sogleich gefragt. Wie, was soll das heißen: Hält er das durch? Es ist doch wohl keine Kunst, nichts zu wollen – also, sich nichts vornehmen zu wollen, denn natürlich will der Mensch (dafür ist er ja Mensch) immer irgendwas. Es sei denn, er sitzt als Einsiedler in der Höhle. Und selbst dann will er Sonnentage satt, Wiesen weich und ab und zu vor dem Schlafengehen einen Holunderlikör.

Ha!, bekommt der Mensch, der, zugegeben, kein Einsiedler ist, da zu hören, sich nichts vorzunehmen, das ist am Anfang des Jahres so schwierig, wie wenn man versucht, an gar nichts zu denken. Probier mal, wird er da auch schon aufgefordert, nicht daran zu denken, was du dir alles nicht vornehmen könntest. – Na bitte! (Dies mit triumphierendem Unterton.)

Da ist der Mensch geneigt, die Freundschaft aufzukündigen, denn wie kann man ihm so das Gefühl geben, noch schnell auf den Vorsatz-Zug aufspringen zu müssen – aber er sagt: Na gut, ich werde mir einen Vorsatz ausdenken, damit du zufrieden bist. Ich lege ihn in die Cloud, das macht man heute so. Aber wenn die jemand hackt und ihn klaut, dann ist er halt weg.

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