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Times Mager „Große Oper, viel Theater?“

Frankfurt dreht am großen Rad, und die Gretchenfrage lautet: Neubau oder Sanierung der Städtischen Bühnen.

Oper Frankfurt
Werden Oper und Schauspiel in Frankfurt durch einen Neubau ersetzt? Foto: dpa

Die Ruh’ ist hin, die Entscheidung schwer, 900 Millionen, wahrscheinlich mehr. Denn Frankfurt dreht am großen Rad, und die Gretchenfrage lautet: Neubau oder Sanierung der Städtischen Bühnen.

Die Vertreter der Bühnen zeigen sich in der Debatte selbstbewusst. Es ist ein Stadtgespräch, das im Juni 2017 mit der Veröffentlichung eines Gutachtens begann, das der Bausubstanz der Bühnen ein miserables Zeugnis ausstellte. Die Theaterdoppelanlage stand da als marodes Bauwerk. Seitdem wurde das Gespräch darüber nicht etwa en suite geführt, vielmehr erlebte das Thema die eine oder andere hitzige Wiederaufnahme, im Kulturausschuss, im Magistrat, auf öffentlichen Podien, im Deutschen Architekturmuseum, dort unter dem Titel: „Große Oper – viel Theater?“

Das Theater hat sich in der Diskussion, anders als eine häufig in den Kulissen verharrende Politik, selbstbewusst gezeigt. Das Theater darf das, das Schauspiel ebenso wie die Oper, zumal diese soeben erst einen neuen Coup landen konnte und erneut zum Opernhaus des Jahres gekürt wurde. Zum strotzenden Selbstbewusstsein gehört, dass Frankfurts Opernintendant Bernd Loebe die Operngala am vergangenen Samstag zu Sottisen gegen die Stadt nutzte. Durchaus aufgekratzt, aber auch klug? Es sei, so Loebe, verständlich, wenn die Stadt für die Bildung, den Unterhalt von Schulen und Kindergärten das „nötige Kleingeld“ aufbringe. Für den Unterhalt der Oper sei es angebracht, das nötige „Geld“ bereitzustellen. Die Kultur und die feinen Unterschiede – nun denn.

Nach Bekanntgabe des Gutachtens ist immer wieder die Bedeutung der Bühnen von Frankfurt für Frankfurt betont worden. Nicht nur hinter den Kulissen, auch auf öffentlichen Podien machten Kulturpolitik ebenso wie Theaterleute die Tugenden des Theaters aus. Als Imagefaktor, als Wirtschaftsfaktor, als Hotelbettenzulieferer. Das Theater als Stadtmarketingleistungsträger.

Tugenden? Vor allem Sekundärtugenden. In Erinnerung blieb jedoch auch der etwas komplexere Gedanke, dass die gesellschaftliche Legitimation der Bühnenkunst in ihrer  Verantwortung gegenüber einem Freiraum liege. Ein Freiraum - oder fällt der Gedanke in Frankfurt doch eher schwer?

Die Ruh’ ist hin. Denn eine Milliarde ist eine horrende Summe. Aber angesichts eines Freiraums, der sich künstlerisch und architektonisch sehen lassen kann, geht’s noch um mehr. Und nun (vielleicht doch) im Chor: dem Freiraum eine große Bühne.

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