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Times mager Grabschutz

Das Dante-Mausoleum in Ravenna wurde jetzt unter Polizeischutz gestellt - wegen Dingen, die der Dichter in seiner "Göttlichen Komödie" schrieb.

Das Grabmal von Dante Alighieri in Ravenna. Foto: imago stock&people

Weil Islamisten den Vatikan im Visier haben könnten, sind die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Petersplatz schon seit geraumer Zeit verschärft. Das gilt auch für einige Touristenattraktionen in Italien. Die jüngste Terror-Warnung aber kam für viele überraschend. Das römische Innenministerium befürchtet laut Zeitungsberichten, dass auch das Grab von Nationaldichter Dante Alighieri (1265–1321), des Verfassers der „Göttlichen Komödie“, Anschlagsziel werden könnte.

Eine Rolle spielt dabei, dass in der Adria-Stadt Ravenna, wo außer dem Dante-Mausoleum auch Italiens zweitgrößte Moschee steht, nach Polizeierkenntnissen bereits mehrere Kämpfer für den Islamischen Staat in Syrien rekrutiert wurden. Aber ein Besuchermagnet ist das Dante-Grab nicht. Wieso also sollten sich islamistische Fanatiker für den Verfasser eines Meisterwerks der Weltliteratur interessieren, der vor genau 750 Jahren starb? Der Grund findet sich im 28. Gesang des Versepos.

Drei Reiche des Jenseits

In der „Göttlichen Komödie“ unternimmt Dante in der Ich-Form eine Reise durch die drei Reiche des Jenseits. In Hölle, Fegefeuer und Himmel, wie man sie sich in der christlichen Welt um das Jahr 1300 vorstellte, trifft er auf unzählige Figuren der Geschichte. Darunter sind im neunten Kreis der Hölle auch Mohamed, der Begründer des Islam, und dessen Schwiegersohn Ali. Glaubensspalter und Zwietrachtstifter schmoren in diesem Teil von Dantes Jenseits-Vision. Mohamed wird da brutal bestraft, weil er sich vom „wahren Glauben“, dem katholischen, abgewandt und Streit zwischen den Völkern gesät habe. Ein Teufel zerstückelt seinen Körper unentwegt mit dem Schwert und fügt ihn wieder zusammen. Gliedmaßen werden ihm abgehackt, Gedärme und Herz hängen heraus.

Nicht nur diese Passage, auch andere Teile der „Göttlichen Komödie“ gelten als islamophob. In einigen islamischen Ländern steht das Werk auf dem Index, in anderen wurden die entsprechenden Verse bei Übersetzungen getilgt. Und nicht nur Muslime nehmen Anstoß. 2012 forderte die italienische Menschenrechtsorganisation Gherush92, Dantes Dichtung aus den Schulen zu verbannen. Die „Göttliche Komödie“ sei islamfeindlich, antisemitisch und verdamme Homosexualität. Literaturwissenschaftler und Lehrerverbände wandten ein, man müsse den Dichter doch im historischen Kontext des Mittelalters sehen. Auch Schwulenorganisationen machten sich über die Dante-Kritiker lustig.

Doch von Fanatikern ist so viel Einsicht nicht zu erwarten. Das Dante-Mausoleum wurde nach dem Anschlag auf die italienische Botschaft in Kairo nun unter Polizeischutz gestellt.

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