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Times mager Globalisieren

Was da alles an Silvesterfeuerwerk zusammenkommt, veranlasst den einen oder anderen Weltbürger dazu, „Globalisierung!“ zu rufen. Aber das trifft es nicht.

03.01.2018 08:41
Silvester
Beim Silvesterfeuerwerk denken manche Weltbürger an die Globalisierung. Foto: dpa

Ein ständiger Begleiter, um vom alten Jahr ins neue hineinzugleiten, waren nicht nur die Feuerwerke, weltweit, aber angefangen von Samoa über Neuseeland, dann Australien, wo die Menschen ebenfalls, ja, mit der Zeit gehen. Es war auch soeben nicht zu übersehen, denn seit es das Fernsehen gibt, kann man diesen Entwicklungen auch in diesem Weltwinkel der Weltferne weltweit zusehen.

Was da alles zusammenkommt, veranlasst den einen oder anderen Weltbürger dazu, „Globalisierung!“ zu rufen. Aber das trifft es nicht, auch wenn Globalisierung gewiss ein Allerweltswort geworden ist, ein Schlagwort mehr noch als ein Schlüsselbegriff, zur Hand auch beim Übertritt ins neue Jahr. Kaum hatte die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, in ihrer recht ordentlichen Neujahrsansprache zu bedenken gegeben, „die Welt wartet nicht auf uns“, da trat der SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel auf den Plan, um festzuhalten: „Wir können die Globalisierung nur gestalten, wenn wir in der EU zusammenrücken.“ So sagte er es der „Passauer Neuen Presse“ und fügte hinzu: „Wer sich dem verweigert, gefährdet die Zukunft Deutschlands wie Europas.“

Globalisierung, die – eine Schicksalsmacht. Man wird das in einer Stadt, wo man erwiesenermaßen zusammenrückt, weil man sich in einem besonders schönen Weltwinkel aufgehoben weiß, ohne sich deswegen Weltoffenheit und Weltferne zu verweigern, sorgfältig gelesen haben.

Globalisierung! Den Dingen und Entwicklungen einen Namen zu geben, macht beide, Dinge und Entwicklungen, weder besser noch angenehmer, nicht einmal zugänglicher oder auch nur griffiger. Die Karriere des Wortes begann vor rund fünf Jahrzehnten. Und obwohl die Welt (des Wissens) damals bereits nachdrücklich vernetzt war, dauerte es weitere zwei Jahrzehnte, bis der Begriff „allmählich Verbreitung fand und in den 1990er Jahren mit einzigartiger Rasanz ungeheure Popularität gewann“, hat der Historiker und Globalisierungsforscher Jürgen Osterhammel einmal gesagt. So lange die weltweite Vernetzung und Verdichtung von gegenseitigen Verbindungen und Abhängigkeiten als ein Erklärungsmodell verstanden wird, ist das o.k. Wogegen sich Osterhammel wendet, sind „Global-Stimmungen und impressionistische Lifestyle-Diagnosen“. Und erst recht dort, wo die Globalisierung als Schicksalsmacht aufgefasst wird, müsse man sich Sorgen machen.

Eine ziemlich schillernde Sache, dieser „Senkrechtstart“ eines Begriffs vor 20 Jahren, ob in den Wissenschaften oder den Medien. Bei einer Feuerwerksvokabel, die nicht nur zum Jahreswechsel abgebrannt wird, ist es geblieben. Soeben wurde sie erneut putzmunter verwendet. Gleißend stieg sie auf, funkelnd – um welches Schicksal auch nur dauerhaft zu erhellen?

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