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Times mager Flexbund

Von Leserwünschen und Redakteursängsten, letzten Layout-Schreien und Leuten, die spät kommen und in der Mitte sitzen.

Deutsche Staatsoper
Theater- und Opernbesucher gehen davon aus, dass die Leute, die in der Mitte sitzen, immer die letzten sind. Foto: imago

A m Donnerstagabend im Theater musste die Reihe noch einmal aufstehen, um ein paar Leute in die Mitte rücken zu lassen. Am Anfang und nach der Pause auch. Also wurde der Kritikerin zugewispert, sie solle doch einmal darüber schreiben, dass die Leute, die in der Mitte sitzen, immer die letzten seien. Tatsächlich gehen Theaterbesucher generell davon aus, dass die Leute, die in der Mitte sitzen, immer die letzten sind. Selbst die Leute, die in der Mitte sitzen und jetzt noch an anderen vorbei müssen, sagen das häufig entschuldigend dazu: So sei es eben, die Leute in der Mitte seien immer die letzten.

Leider ist es der FR jedoch nicht möglich, dem ernsthaft nachzugehen, etwa durch Zählungen in, sagen wir: 150 Theatern, in denen über einen größeren Zeitraum von, sagen wir: drei Monaten, eine größere Anzahl von Beobachtern, sagen wir: 10 bis 20 pro Parkett, die Einfädelung in die Reihen verfolgen und notieren würden. Einfacher, allerdings rechtlich in einer Grauzone wäre der Einsatz von Drohnen. Jedenfalls geht das leider nicht, wobei auch am Donnerstagabend interessanterweise ja nicht gewispert wurde: Gehen Sie doch einmal der Frage nach, ob tatsächlich ...

Seit Marthe Schwerdtlein – und Goethe griff hierbei zweifellos auf, worüber er an anderer Stelle schon göttlich gelacht haben dürfte – ist es üblich, schriftlich bekommen zu wollen, was man bereits weiß. „Möcht ihn auch tot im Wochenblättchen lesen“, so die einschlägige Passage, die Redaktionsmitglieder nicht kalt lässt. Hier die Freude darüber, dass jemand etwas in der Zeitung lesen will, dort die Empörung, dass Mephisto – anders als Faust, der sich schon in eine wilde Recherchearbeit verwickelt sieht – bedenkenlos eine Fake News ventilieren und lässig mündlich bezeugen würde. Übrigens kommen die Leute, die in der Mitte sitzen, echt oft spät.

Die Wünsche des Lesepublikums sind unterschiedlich und nehmen auf Ressortzuteilungen wenig Rücksicht – schreiben Sie doch mal darüber, dass im Bus keiner mehr für alte Damen aufsteht, schreib doch mal darüber, dass nie Opern von Gottfried von Einem gespielt werden. Eigentlich ist es fast nie eine Frage. In Tagen aber, in denen die Redakteurin lernen muss, wie sie den letzten Layout-Schrei richtig einsetzt (und wenn sie es richtig macht, wird der Leser gar nichts davon merken) – ist sie neidisch auf Menschen, die schon alles wissen und es bloß noch schriftlich wollen.

Ach, und was ist der letzte Layout-Schrei? Flexbund sein Name, 30 und 34 (und 38?) die Zahlen, die ihn umschwirren und die Redakteurin in den Schlaf verfolgen. Tangiert Sie nicht, seien Sie froh.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

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