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Times mager Fastnacht

Am Karneval führt am Ende doch kein Weg vorbei.

Rosafarbene Bären
Hallo, Taxi bitte! Foto: imago/FR Grafik

Auch wer den Eindruck hat, Karneval sei ein Ereignis von einem anderen Stern, kommt an einigen Begegnungen nicht vorbei. Vor der Eckkneipe steht eine Gruppe Bienen und flirtet mit zwei GIs, bei denen es sich einwandfrei um Frankfurter Buben handelt. Die kugeligen Bienen springen aneinander wie Gummibälle. Da geht man lieber rasch weiter.

Der Taxifahrer entschuldigt sich für die rosafarbenen Flusen auf dem Rücksitz. Sie stammen nach seinen Auskünften von einem Bären, der am Morgen am Hauptbahnhof zugestiegen ist. Es sind erstaunlich viele Flusen.

In der Bahn werden über Lautsprecher ein erholsames Wochenende und fröhliche Karnevalstage gewünscht. Das ist ein neuer Trend im ÖPNV, der plaudernde Fahrer, und man muss zugeben, dass das praktisch unwiderstehlich ist. Interessant: Die Frau, die sofort am Handy davon erzählen muss, sagt „Fasching“, woran man merkt, dass sie nicht von hier ist und auch gar nicht mitbekommt, dass sie den Fahrer soeben falsch zitiert. Die Wörter für Karneval sind also, ähm, tief in unserem Selbst verankert. Als Volontärin wurde man für die Verwendung des Wortes Fasching mit Eselsohren in die Ecke gestellt. Auch das Wort Karneval ließ den Volontärsausbilder mit den Zähnen knirschen.

Die jugendliche Verwandte kommt im Schlafanzug zu Besuch. Sie erklärt, dass sie bis Aschermittwoch im Schlafanzug bleiben wird. Sie hat sich bei einem einschlägigen Verkleidungsspezialisten noch eine Schlafmütze dazu gekauft und geht also quasi als Mensch im Schlafanzug. Im Freien trägt sie dazu einen Morgenmantel, um beispielsweise zum Tennistraining zu fahren. Der Reiz der Verkleidung erschließt sich natürlich nur in Gänze, wenn man weiß, dass es einen Familienzweig gibt, der jede freie Minute im Schlafanzug verbringt. Der Karneval wird an dieser Stelle auf einen seiner wesentlichsten Ursprünge zurückgeführt: Einmal im Jahr tut der Mensch das, was er will.

Die Eltern der Schlafanzugträgerin erzählen von einer Abba-Motto-Party, auf der unter anderem auch ein Pärchen als Fisch und Neptun auftauchte, weil die beiden keine anderen Kostüme zur Hand hatten oder das Motto überlesen hatten. Dass der Fisch einen der Preise für das beste Kostüm gewann, wurde teils belächelt, teils kritisiert.

Am Fünffingerplätzchen schlief morgens ein Narr auf einer Bank. Besorgte Passanten sahen bereits nach dem Rechten, da öffnete der Narr die Augen, erhob sich und ging seiner Wege.

So zeigt sich eben doch, dass der Nichtkarnevalist in diesen Tagen eine Menge verpasst.

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