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Times mager Fahrstuhl

Abwarten, abwarten, abwarten, das sei das Beste bei Verspätungen. Das Zweitbeste – abwarten, abwarten. Das Drittbeste?

Modern steel elevator illustration Modern steel elevator with open doors in contemporary lobby 3D
Regelmäßig ist nicht übertrieben. Regelmäßig ist Alltag. Foto: imago

Wenn die Materialermüdung steige, hieß es gestern Morgen im Fahrstuhl, sei es nicht ausgeschlossen, dass sich die Fehlerquote irgendwann erhöhe, anfangs noch recht langsam, dann rapide. Flott, immerhin, lief der Fahrstuhl auf E-Niveau ein, das ist nicht immer so, und die Verspätung verärgert im Haus, das ein Bürohaus ist, viele Fahrstuhlfahrgäste. Angesichts der Frequenz der Fahrstuhlnutzer ist der Ärger über einen dann und wann nicht pünktlich einlaufenden Aufzug groß. Nicht schon wieder! 

Nicht schon wieder! ist nicht das Wort zum Sonntag, sondern ist Alltag. Die Wendung ist noch nicht ein Fluch, aber doch schon so etwas wie eine Beschwerde. Das Wort wieder bedeutet, dass sich das Problem offenbar ständig wiederholt. Ständig ist ein Wort, das auch regelmäßig fällt. Regelmäßig ist nicht übertrieben. Regelmäßig ist Alltag. 

Das Problem, dem das Zwiegespräch galt, und es ging ja um den Bahnstreik, der schon seit Tagen im Gespräch ist, trudelte irgendwie verspätet ein. Alltag ist dagegen auch im Lift der Satz: Ob noch jemand die Bahn verstehe? 

Wer das Fahrstuhlgespräch bis zu dieser Stelle verfolgen konnte, war auf keinen Fall bereits im nächsten Stockwerk wieder ausgestiegen. Etwa aus Neugierde? Oder hat man womöglich glatt vergessen, aufs Etagenknöpfchen zu drücken (weil plappernde Menschen leicht ablenken)? 

Abwarten, abwarten, abwarten, das sei das Beste bei Verspätungen. Das Zweitbeste – abwarten, abwarten. Das Drittbeste? Ah, alles klar - gelegentlich teilt man sich die Fahrstuhlzelle mit einem Schalk. Oder man besorge sich, Verspätung hin oder her, vom Bahnsteig weg einen Coffee to go. Ah, to go, alles klar, gegenseitiges Grienen. Da man in einer Fahrstuhlzelle nicht allein existieren kann, grient man mit, darauf wartend, dass der Käfig in seinem Schacht ganz sanft auf der Zieletage einschwingt, wie ein himmlischer Lift auf einer Wattewolke. 

Wieso Materialermüdung? Von Materialermüdung war auf E-Niveau die Rede (siehe ganz oben). Sie ist in diesem Jahr auch an dem Fahrstuhl nicht vorübergegangen. Unserem Fahrstuhl? Jedenfalls mehrfach bereits eine Fahrstuhlermüdung. Was jetzt wieder mit ihm sei? Die Frage tauchte morgens schon mehrfach auf. Nun denn, man stecke in so einem Fahrstuhl nicht immer drin, so eine Stimme im Pulk vor dem Fahrstuhl. Vor den geschlossenen Türen des Lifts ging ein Joke auf, wenn auch mit ein wenig Verspätung. Man muss das nicht auch noch betonen! Wo wir doch beim Fahrstuhl von einer Kleinkunstbühne sprechen. 

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