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Times mager Ersatz

Sie haben noch nie von Ibbenbüren gehört? Dann benutzen Sie mal Ihr Smartphone und fragen es nach „Innentüren“.

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Macht aus „Innentüren“ „Ibbenbüren“: das Smartphone. Foto: imago

Moderne Handtelefone werden chronisch unterschätzt, wie sich jüngst wieder zeigte. Ungefragt antwortete ein solches Gerät auf die Eingabe „Innentüren“ mit dem Vorschlag „Ibbenbüren“. Offensichtlich hat Ibbenbüren mittels eines ausgefeilten Algorithmus dafür gesorgt, dass alle Menschen, die sich mit der Innenausstattung von Gebäuden beschäftigen, an eine Stadt erinnert werden, von der sie zum ersten Mal im Leben hören.

Man sieht daran, dass Ibbenbüren viel fortschrittlicher ist als Bad Salzuflen, das auf dem antiquierten Weg der unerbetenen E-Mail für die neu eingeführte „Salzuflen-Card“ wirbt, was allerdings wahrscheinlich daran liegt, dass einen das Telefon, kaum ist man bei „Salzu-“ angekommen, auf „Salzburg“ umschalten will.

So oder so, ohne das kluge Gerät hätte das Times mager nie erfahren, welche Liebe man in Ibbenbüren auf die „Tradition des Nachtwächtertums“ verwendet, die selbst in den Ferien ungebrochen gepflegt wird, wie die umgehend eingeleitete Internetrecherche ergab.

„Diktatorenfamilie“ oder „Diplomatenfamilie“ ?

Etwas fragwürdig erscheint gegenüber dem klugen Telefon die Rechtschreibprüfung, die darauf bestehen wollte, den Begriff „Diktatorenfamilie“ durch „Diplomatenfamilie“ zu ersetzen, was zu noch größeren Verwicklungen hätte führen können als Ibbenbüren und Innentüren. Ganz abgesehen von dem Vorschlag, die Bezeichnung „Comanche“ anstelle des Wortes „Comandante“ zu verwenden, was auf eine fragwürdig eurozentristische Haltung der Rechtschreibprüfung schließen lässt. Ganz zu schweigen von der Idee, statt „Revolutionskommandanten“ lieber „Revolutionsromantiker“ zu schreiben.

Es tut in solchen Momenten gut, nicht nur hinterhältige Maschinen, sondern auch aufrichtige Menschen um sich zu haben. Kollegin E. zum Beispiel bearbeitete gerade einen etwas zu lang geratenen Text und kürzte eiskalt, wie es ihre Pflicht ist, einen Satz von Markus Söder heraus: „Ich möchte mein Leben nicht als Tofumensch verbringen.“

Kollegin E. wusste ihre Entscheidung mit einem treffenden Hinweis zu begründen, den sie in ein metaphorisches Gewand kleidete, wie es selbst das klügste Telefon nicht zu weben vermöchte: „Das kann sich jeder denken, dass Söder kein eingefleischter Vegetarier ist.“ Eingefleischter Vegetarier, herrlich! Wer riecht da nicht den veganen Braten?

Die Diskussion nahm allerdings ein jähes Ende, als Kollege C. auftauchte und jede Debatte mit Hinweis auf die fortgeschrittene Zeit verweigerte: „Von Sprechen kann hier keine Rede sein.“

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