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Times mager Die Pferdesalami ist in der Stadt

Von Stakeholdern, Fakeholdern und einer Art von Salami, die nicht alltäglich ist: Als Gesprächsstoff im Kaffeehaus hat sich die Pferdesalami bewährt.

Steak
Verständnisprobleme können schon mal entstehen, wenn „Stakeholder“ für „Steakholder“ gehalten werden. Foto: Imago

Das wird jetzt für manche nicht einfach: Die Pferdesalami ist in der Stadt. Der Bekannte des Münchner Kumpels von Stammgast R., der in München an einer Pferdesalami-Quelle sitzt, hat sie für den Münchner Kumpel von Stammgast R. besorgt. Der hat sie in ein Päckchen gepackt und versandt, und jetzt will Stammgast R. alle Interessenten im Kaffeehaus zum Selbstkostenpreis mit Pferdesalami versorgen. Die Versandkosten werden umgelegt.

A propos umgelegt: Das Schlachten von Pferden ist höchst umstritten, es stehen sich im Großen und Ganzen die Freunde des Reitsports und die Freunde der gepflegten Traditionswurst gegenüber. Da ist wenig zu vermitteln, man muss schon froh sein, wenn der Kampf so zivilisiert geführt wird wie auf www.spin.de. „Kijou“ schrieb dort: „Also ich persönlich würde mein eigenes Pferd nicht essen wollen, davon mal abgesehen mag ich keine Salami, aber im Prinzip, wer’s mag, warum nicht?“

Liebe Kijou, ich persönlich würde mein eigenes Pferd nicht mal essen können , denn ich habe keins. Und wenn, wäre es mir zu viel. Aber ich finde es gaanz supi, wie voll tolerant du mit mir umgehst, obwohl ich gern Salami esse und du mich gar nicht kennst. Oder gerade deshalb? Egal.

„Stakeholder“ oder „Fakeholder“?

Als Gesprächsstoff im Kaffeehaus hat sich die Pferdesalami bereits lange vor der Übergabe bewährt, auch wenn es wieder nicht allzu lange gelang, beim Thema zu bleiben. Es fing schon damit an, dass ein Stammgast, der unter einem chronischen Managementtrauma leidet, die Interessenten als „Stakeholder“ bezeichnete, wodurch diese sich, den durchaus vorhandenen Sinn dieser Bezeichnung ignorierend, sicherheitshalber beleidigt fühlten. „Fakeholder“, murmelte sogar jemand.

Ein anderer hatte gar nichts verstanden und wies den Stakeholder-Mann darauf hin, dass es sich nicht etwa um Steaks handele, sondern um Wurst, so dass man wenn schon von Sausageholdern hätte reden müssen oder allenfalls von Shareholdern, da man ja unter den Interessenten zu teilen beabsichtige.

Zum Thema Wurst im Allgemeinen bemerkte Stammgast S., er frage sich schon lange, was vegetarisch oder gar vegan eingestellte Eltern täten, wenn der Fleischwarenfachverkäufer ihren Kindern ein Scheibchen Gelbwurst hinhalte. Dies, erwiderte Stammgast R., werde kaum geschehen, da sich Vegetarier oder gar Veganer so häufig an Fleischtheken einfänden wie ein lebendes Hühnchen im Fuchsbau.

Der Einwand greife durchaus, gab Stammgast S. zu. Das allerdings bedeute ja wohl auch, dass vom Gelbwurst-Verschenk-Kontingent mit zunehmendem Veganismus immer mehr übrig bleibe. Da frage man sich schon, warum nicht auch Senioren …, aber die anderen waren noch jung.

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