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Times mager Die Bank wird Mensch

Ganz Deutschland eine Unternehmensbürgerinitiative, was für ein Gedanke!

Times mager
Ja, da fällt sie heute hin, die erste Liebe: direkt zur Bank. Foto: imago

Früher war das so: Der Mensch wurde langsam erwachsen, erst sanft, dann heftig sprossen die Fantasien, und mit der Zeit lernte der Mensch, dass man auch andere Menschen lieben kann, selbst wenn sie nicht Mama oder Papa heißen und ganz anders als Mama und Papa.

Manchmal versuchten Mama oder Papa dann mit dem Menschen zu sprechen, und es kam vor, dass sie den Menschen, der gerade an die Liebe zu glauben begonnen hatte, mit einer schlimmen Botschaft verschreckten. Zum Beispiel sprachen sie Sätze, die mit Worten begannen wie „Die erste Frau, die du lieben wirst…“ oder „Der erste Mann, den du lieben wirst…“ oder wie auch immer, und der Mensch fragte sich sorgenvoll: Warum „die erste“? Warum „der erste“? Muss der/die erste nicht auch der/die letzte sein? Stimmt das etwa nicht mit der ewigen Liebe? So war das früher. Und schon bald hatte der Mensch sein erstes Konto.

Der etwas schroffe Übergang ist damit zu erklären, dass heute alles anders ist als damals: Der junge Mensch, noch ohne Mann/Frau und ohne Konto, mit der ewigen Liebe von Haus aus weniger vertraut, begegnet einem Plakat, auf dem es heißt: „Die erste Bank die du lieben wirst“. Nebenbei bemerkt: Den Slogan gibt es auch mit Komma, da muss ein Korrektor drangewesen sein.

Ja, da fällt sie heute hin, die erste Liebe: direkt zur Bank. Andererseits gibt es auch Parallelen zur Liebe unter Menschen: Gemeint ist nämlich womöglich gar nicht die erste Bank überhaupt, mit der der junge Mensch in eine Beziehung tritt. Vielleicht hatte er sogar vorher schon mehrere, aber er hat sie halt nicht geliebt, man neigt ja insgesamt immer mehr zum Abenteuer mit wechselnden Partnern.

Eine andere Bank, die Deutsche, klärt unterdessen darüber auf, dass die Rede von der Verdinglichung menschlicher Beziehungen unzutreffend und das Gegenteil der Fall ist: Die Bank wird Mensch, Bank und Bürger werden eins, zum Teil jedenfalls. Ein Anlageberater der Bank hatte dummerweise festgestellt, dass „die Märkte“ die Wahl eines Faschisten zum brasilianischen Präsidenten begrüßten. Die Bank versicherte rasch, dass sie „als Unternehmensbürger für Demokratie, Menschenwürde und Demokratie eintritt“.

Unternehmensbürger, herrlich! Ganz Deutschland eine Unternehmensbürgerinitiative, was für ein Gedanke! Und dann diese Vielfalt, Multitasking geradezu: Faschist super, sagen die „Märkte“, sagt der Anlageberater, Faschist böse, sagt der Unternehmensbürger. Kann man die eigentlich auch verhaften? Egal, man sollte ihnen jedenfalls das Wahlrecht geben!

Jetzt kommen Sie und sagen: Das brauchen die gar nicht. Und da haben Sie auch wieder recht.

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